Bolivien: Die Führung der COB rettet die Regierung Paz

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Am 19. Juni unterzeichnet Argollo, Generalsekretär der Bolivianischen Arbeiterzentrale (COB), nach 50 Tagen Streiks, Demonstrationen, Straßenblockaden und Auseinandersetzungen mit der offiziellen Polizei und faschistischen Banden ein Abkommen über „Befriedung und Wiederaufbau des Landes“ mit der Regierung Paz (aus dem Block PDC-Unidad).

„Die Druckmaßnahmen werden auf nationaler Ebene aufgehoben, verbunden mit der Verpflichtung der Regierung, alles Erreichte umzusetzen … Damit kein Blut vergossen wird, wollen wir nicht, dass es zum Ausnahmezustand kommt.“ (Mario Argollo, vision360.bo, 19. Juni)

Während die Massen des Landes den Staatschef vertreiben wollten, bleibt dieser im Amt und erreicht die Aufhebung der Blockaden.

Ein abhängiges Land und eine verkümmerte Bourgeoisie

Bolivien ist ein Binnenland in Südamerika mit 12,5 Millionen Einwohner*innen. Im Westen erstreckt sich ein gemäßigt temperiertes Hochplateau zwischen zwei Gebirgsketten, im Osten eine Schwemmebene mit tropischem Klima.

Die wichtigste Sprache ist Spanisch, doch ein bedeutender Teil der Bevölkerung, vor allem unter den Bergarbeitern und Landarbeiter*innen, spricht Aymara oder Quechua. Die Wirtschaft hing im 20. Jahrhundert weitgehend vom Export von Zinn ab, heute von Gas, Lithium und Koka.

Der Mehrwert, der aus der Ausbeutung der Arbeiter*innenklasse entsteht, wird zu einem großen Teil an ausländische legale und mafiöse Kapitalgruppen transferiert. Vor Ort ist die Akkumulation des Kapitals gering, sodass die Bourgeoisie nur über eine schwache Legitimität verfügt. Sie zerfleischt sich ständig über den Grad ihrer Abhängigkeit von den imperialistischen Mächten, darüber, welcher Macht der Vorzug zu geben ist, und über die Methode, die gegenüber den wiederkehrenden Kämpfen der Massen, der Arbeiter*innen, Bäuer*innen, Student*innen, Beschäftigten des informellen Sektors und nationalen Minderheiten anzuwenden ist. Diese verkümmerte herrschende Klasse schwankt zwischen der Akzeptanz der Rolle als Lakai des Yankee-Herrn, der Versuchung, auf den chinesischen Imperialismus zu setzen, und nationalistischer Rhetorik. Eine solche Option sichert ihr die Unterstützung der Bevölkerung sowie die Kontrolle über die Gewerkschaften der Lohnabhängigen und die Organisationen der Bäuer*innen. Doch wenn nationalistische Parteien an die Macht gelangen, unterwerfen sie sich, enttäuschen ihre Arbeiter*innen- und Bauernbasis und treiben dadurch die Entstehung einer neuen „populistischen“ Partei voran: Partido Republicano Genuino (PNG), Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR), Movimiento de la Izquierda Revolucionaria (MIR), Movimiento al Socialismo (MAS) …

Auf „demokratische“ Phasen folgen Militärjuntas (1964–1982), die gegenüber den Massen noch gewalttätiger sind als die zivilen Regierungen.

Unter dem Einfluss der Vierten Internationale übernehmen die Bergarbeiter*innen 1946 die Thesen von Pulacayo

Die Lehre aus der schrecklichen Niederlage der chinesischen Revolution von 1925–1927 besteht darin, dass der Analyse des Kapitalismus als weltweit überholter Produktionsweise – seiner imperialistischen Phase – eine Strategie der permanenten Revolution entspricht. Die Vierte Internationale lehnt jede Unterordnung des Proletariats unter irgendeinen Flügel der Bourgeoisie ausdrücklich ab, auch in den abhängigen Ländern.

„Die nationale Bourgeoisie der rückständigen Länder ist unfähig, die Gesellschaft auf nationalen, demokratischen … Grundlagen neu zu organisieren. Dennoch sind die demokratischen und Übergangsforderungen weiterhin ebenso gültig … Man darf den demokratischen Kampf nicht der nationalen Bourgeoisie überlassen, sondern er muss sich in einer Massensituation durch die Schaffung von Arbeiter*innen-, Bäuer*innen- und Soldatenräten ausdrücken … In diesem Kampf muss die Linie der Partei der Arbeiter*innen darin bestehen, ihre eigene Unabhängigkeit und die Unabhängigkeit der Arbeiter*innenklasse zu bewahren.“ („Die koloniale Welt und der Zweite Weltkrieg“, Mai 1940, Les Congrès de la 4e Internationale, Bd. 1, S. 419–420)

In Bolivien bilden die Bergarbeiter*innen das Herz der Arbeiter*innenklasse, verstärkt durch den Zinnbedarf der US-amerikanischen imperialistischen Armee während des Zweiten Weltkriegs. Die Gewerkschaftsföderation der Bergarbeiter*innen (FSTMB) entsteht 1944 unter der Führung von Lechín (MNR). Unter dem Einfluss von Guillermo Lora und eines Kerns der Partido Obrero Revolucionario (POR) verabschiedet sie 1946 auf ihrem Kongress von Pulacayo ein revolutionäres Programm. Die Thesen von Pulacayo wenden sich gegen die Volksfront und gegen die Unterordnung des Proletariats unter irgendeinen Sektor der Bourgeoisie, selbst unter einen, der eine antiimperialistische Rhetorik benutzt, um Arbeiter*innen, Bäuer*innen und Student*innen zu täuschen.

„Die kapitalistische Produktionsweise ist qualitativ vorherrschend … Alle Aufgaben, die die Bourgeoisie nicht erfüllt hat, stellen bürgerlich-demokratische Ziele dar, die verwirklicht werden müssen … Der Staat ist ein mächtiges Instrument in den Händen der herrschenden Klasse … Zu behaupten, dass die bürgerlich-demokratische Revolution als solche von ‚progressiven‘ Sektoren der Bourgeoisie verwirklicht werde und dass der künftige Staat der einer Regierung der nationalen Einheit und Verständigung sein werde, zeigt eine entschlossene Absicht, die revolutionäre Bewegung zu erdrosseln.“ („Thesen von Pulacayo“, November 1946, in: Lowy, Le Marxisme en Amérique latine, Maspero, S. 182–186)

Doch dieses Programm erwähnt weder das bolivianische Äquivalent der chinesischen Kuomintang, den MNR, der 1943 durch den Staatsstreich des Majors Villarroel erstmals an die Regierung gelangt, noch die Notwendigkeit einer Partei bolschewistischen Typs. Die POR bleibt gegenüber dem MNR unzureichend abgegrenzt.

1946 übernimmt der pro-Yankee-Flügel der Bourgeoisie wieder die Macht und unterdrückt die Massen bis 1952. Die im Januar 1947 gewählten Abgeordneten der POR sitzen gemeinsam mit denen der FSTB (die weiterhin vom MNR geführt wird) im „parlamentarischen Bergarbeiterblock“. Angesichts der scharfen Repression der Regierung schlägt die POR 1949 der Partido de la Izquierda Revolucionaria (PIR, der stalinistischen Partei, aus der 1950 die PCB hervorgehen wird) und dem MNR eine „antiimperialistische Einheitsfront“ vor.

1951 fällt die Führung der Vierten Internationale in die „antiimperialistische Einheitsfront“ zurück

1948–1949 passen sich die Führer*innen der Vierten Internationale (Pablo, Mandel, Frank …) dem Stalinismus an, der seinen Höhepunkt erreicht hat und an der Spitze der Revolutionen in Jugoslawien, Vietnam und China steht.

1951 bringen sie auf ihrem „Weltkongress“ (an dem Hugo Gonzalez für die POR teilnimmt) die von Sinowjew und Radek 1922 angenommene antiimperialistische Einheitsfront (FUAI) der Kommunistischen Internationale wieder ins Spiel. Aufgrund der Tragödie der chinesischen Revolution war die FUAI aus allen programmatischen Texten der Vierten Internationale verschwunden.

Das revisionistische Internationale Sekretariat der Vierten Internationale (SIQI) stellt sich faktisch gegen die Thesen von Pulacayo. Es wirft die POR in die Arme der bürgerlichen Partei mit nationalistischer und antiimperialistischer Rhetorik, die opportunistisch als „kleinbürgerlich“ präsentiert wird: des Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR).

„In Bolivien dürfen sich unsere reorganisierten Kräfte nicht von den Massen und ihren Bewegungen unter kleinbürgerlicher Führung des MNR isolieren.“ („Der Kampf gegen den imperialistischen Krieg“, August 1951, Les Congrès de la 4e Internationale, Bd. 4, S. 185)

„Im Falle einer Mobilisierung der Massen unter dem Anstoß oder dem überwiegenden Einfluss des MNR muss unsere Sektion die Bewegung mit allen Kräften unterstützen, sich nicht enthalten, sondern im Gegenteil energisch eingreifen, um sie so weit wie möglich voranzutreiben, bis hin zur Machtübernahme durch den MNR auf der Grundlage des fortschrittlichen Programms der antiimperialistischen Einheitsfront. Wenn dagegen unsere Sektion im Verlauf dieser Massenmobilisierungen feststellt, dass sie gemeinsam mit dem MNR Einfluss auf die revolutionären Massen besitzt, wird sie die Forderung nach einer gemeinsamen Arbeiter*innen- und Bauernregierung beider Parteien vorantreiben.“ („Resolution über Lateinamerika“, August 1951, Les Congrès de la 4e Internationale, Bd. 4, S. 291)

1952 schickt die POR Guillermo Lora nach Paris, um mit der internationalen Führung (dem pablistischen SIQI) zusammenzuarbeiten.

Seit der Revision des Programms von 1951 verwischt die sogenannte trotzkistische Bewegung (Pablist*innen, Morenist*innen, Grantist*innen, Cliffist*innen, Lambertist*innen, Healyist*innen, Lorist*innen …) die Grenze zwischen Arbeiter*innenbewegung und Bourgeoisie der abhängigen Länder, macht aus der Strategie der permanenten Revolution einen objektiven Prozess, der keiner Partei bolschewistischen Typs bedarf, verwandelt revolutionäre Aktivist*innen in den abhängigen Ländern in bloße Druckgruppen gegenüber dem bürgerlichen Nationalismus (einschließlich des Islamismus) und überall gegenüber den Gewerkschaftsbürokratien. Sie nährt alle möglichen Illusionen in Wahlen und verfassunggebende Versammlungen, Volksfronten mit bürgerlichen Parteien, „sozialistischen“ Generälen und Obersten und sogar religiösen Fanatiker*innen. Ihr Programm ist sorgfältig um Selbstverteidigung, Arbeitermiliz und Aufstand gekürzt, die den Ruhm der bolivianischen Arbeiter*innenbewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausmachten.

Während der Revolution von 1952 spricht sich die POR für eine MNR-COB-Regierung aus

Während die Bevölkerung mehrheitlich aus Bäuer*innen und Arbeiter*innen indigener Herkunft besteht, wird die politische Macht von den Parteien oder Generälen der „Rosca“, der Bourgeoisie der „Zinnbarone“, und den Großgrundbesitzer*innen kolonial-europäischer Herkunft ausgeübt. Frauen und Analphabet*innen dürfen nicht wählen.

Am 9. April 1952 versucht ein mit dem MNR verbundener Teil der Armee einen Staatsstreich gegen die pro-Yankee-Regierung, die die arbeitenden Massen unterdrückt. Die Bergarbeiter*innen und arbeitenden Bäuer*innen stoßen in die Bresche und bilden unter Führung der POR bewaffnete Milizen, die die reguläre Armee hinwegfegen.

Mit dem Beginn der bolivianischen Revolution wird am 17. April 1952 die COB gegründet, maßgeblich dank der POR. Doch diese ruft zu einer MNR-Regierung auf, also zur Regierung einer bürgerlichen Partei. In den Gewerkschaften unterscheidet sich die POR nicht von der von Juan Lechín geführten Fraktion der bürgerlichen Partei.

Da Organe sowjetischen Typs fehlen, die die Macht beanspruchen, übernimmt Paz Estenssoro (MNR) mit Unterstützung der POR die Führung des kapitalistischen Staates.

„Trotz der Illegalität wurde ein Aufruf an alle Massenparteien, unter anderem an den MNR, gerichtet, eine gemeinsame Front des Kampfes gegen den Imperialismus zu organisieren … Unter diesen Umständen verteidigt die POR die Regierung mit allen Kräften durch die Mobilisierung der Massen.“ (Guillermo Lora, „Interview“, La Vérité Nr. 294, 17. April 1952)

Der Bonaparte gerät einerseits zwischen den Druck der mobilisierten bäuerlichen und Arbeiter*innenmassen und andererseits die Forderungen des US-Imperialismus und eines Flügels der lokalen Bourgeoisie, der aus Großgrundbesitzer*innen und vom ausländischen Kapital abhängigen Sektoren besteht. Dieser Flügel findet seinen Ausdruck in Parteien, die dem MNR feindlich gegenüberstehen, wie der Falange Socialista Boliviana (Phalange, FSB), und in der Mehrheit des Generalstabs der Armee. Die US-Botschaft und die Geheimdienste der Vereinigten Staaten knüpfen enge Verbindungen zu ihnen.

Die MNR-Regierung ihrerseits entwaffnet die Arbeitermilizen und reorganisiert die bürgerliche Armee (aus ihr werden unter anderem die Arbeiter massakrierenden Generäle Barrientos und Banzer hervorgehen). Sie versucht, die Gewerkschaftsbewegung unter Berufung auf eine „MNR-COB-Ko-Regierung“ in den bürgerlichen Staat zu integrieren. Im Juli 1952 führt sie das allgemeine Wahlrecht ein. Im Oktober 1952 verstaatlicht sie mit Entschädigungen drei Bergbauunternehmen. Ihre Vermögenswerte sind in einem staatlichen Unternehmen, der Corporación Minera Boliviana (Comibol), zusammengefasst. Da sie über keine eigenen Schmelzwerke verfügt, muss sie das Zinn an das Schmelzwerk der Williams Harvey Smelter aus Liverpool, das sich im Besitz der Patiño-Gruppe befindet, sowie an das von einer US-Firma kontrollierte Schmelzwerk in Texas City liefern. Die Posten innerhalb der Comibol werden großzügig (und oft in Dollar) vergütet. Ihre Vergabe wird zu einem der wichtigsten Mittel zur Korruption des Gewerkschaftsapparats der FSTMB und der COB.

Der Vizepräsident versichert der US-Regierung, dass die Regierung antikommunistisch sei und die Kontrolle über die „extreme Linke“ behalte.

Im August 1953 beschließt Paz Estenssoro eine begrenzte Agrarreform, um auf dem Land eine Klasse von Kleinbesitzer*innen zu schaffen. Diese Schicht diente 1971 General Banzer und 2005 der MAS als Stütze im Kampf gegen die Arbeiter*innenklasse.

Die Massen unterscheiden nicht zwischen MNR und POR. Diese unterstützt Lechín und fordert, dass mehr „Arbeiter*innen“-Minister seiner Art in der bürgerlichen Regierung, die die Armee stärkt und regelmäßig den Trotzkismus anprangert, vertreten sein sollen. Die POR vermittelt den Eindruck, dass sich die populistische Regierung auf diese Weise in eine Arbeiter*innen- und Bauernregierung verwandeln könne. In Argentinien treibt Moreno (ein politisches Chamäleon, das abwechselnd antiperonistischer Trotzkist, Maoist, „Arbeiter“-Peronist, Castrist und Anti-Che-Guevarist, Sozialdemokrat, „Trotzkist“ gegen Mandel, „Trotzkist“ gegen Lambert und schließlich Morenist sein wird…) treibt die Parole so weit, dass er fordert, die Führung (MNR) der COB solle regieren.

Nahuel Moreno hat stets behauptet, er habe „alle Macht der COB“ gefordert, im Gegensatz zur Politik der POR, die sich dem linken Flügel des MNR anpasste. Doch Morenos Slogan war nur eine Variante der volksfrontlerischen Resolutionen des 3. Kongresses und der Position einer „Regierung des linken MNR“. Im Mai präsentierte seine Zeitung die „Forderung, dass von FSTB und COB gewählte und kontrollierte Arbeiter*innenminister in die Regierung von Paz Estenssoro aufgenommen werden“. (José Villa, La Révolution de 1952, Poder Obrero de Bolivie, Herbst 1992)

1953 spaltet sich die Vierte Internationale in zwei Teile (das pro-stalinistische SIQI und das „orthodoxe“ CIQI), ohne dass irgendeine Fraktion die Einheitsfront mit der nationalen Bourgeoisie (FUAI) infrage stellt. In Argentinien setzt die GOR von Nahuel Moreno, die auf dem Kongress von 1951 für alle opportunistischen Resolutionen gestimmt hatte, die antiimperialistische Einheitsfront um, indem sie sich der bürgerlich-nationalistischen Bewegung des Obersten Perón (PJ) anschließt. 1954 spaltet sich die POR selbst:

  • eine liquidatorische Fraktion unter Führung von Möller und Lora, deren Mehrheit unter Möller sich dem MNR anschließt. Lora folgt ihnen im letzten Moment dann doch nicht und baut eine völlig von ihm abhängige POR-Masas auf, die versucht, sich international zunächst an das CIQI und nach 1971 gemeinsam mit der PO Argentiniens an das lambertistische CORQI anzulehnen, bevor sie ihre eigene internationale Gruppierung aufbaut (CERCI/CLRCI, reduziert auf einige wenige Gruppierungen in Lateinamerika). Lora stirbt 2009.
  • eine Fraktion unter Gonzales bleibt dem SIQI und später dem pro-kastristischen SUQI treu. Die POR-Combate übernimmt wie das SUQI die Strategie des ländlichen Guerillakampfes, was dazu führt, dass die meisten ihrer Mitglieder direkt zur castristischen ELN übertreten.

Die grundlegende Perspektive, die einzige realistische für Lateinamerika, ist die eines bewaffneten Kampfes, der sich über viele Jahre hinziehen könnte. Der Schwerpunkt wird für eine ganze Zeit auf der ländlichen Guerilla liegen… („Entschließung des 9. Weltkongresses zu Lateinamerika“, Vierte Internationale Nr. 37, Mai 1969, S. 61–62)

Die POR-Combate verschwindet vollständig, als Gonzales sich Morales anschließt. Gonzales stirbt 2010.

Keine der beiden POR der 1960er- und 1970er-Jahre bricht mit der FUAI und den verbrecherischen Illusionen in die nationale Bourgeoisie.

1971 richtet sich die POR-Masas gemeinsam mit den Stalinist*innen auf eine Militärjunta aus

1955 verabschiedet Paz Estenssoro einen „wirtschaftspolitischen Plan“, der das Land für ausländische Kapitalist*innen öffnet. Aufgrund der damaligen Verfassung kann er bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 1956 nicht kandidieren. Er wird durch den früheren Vizepräsidenten Siles Zuazo ersetzt (84 % der Stimmen). Angesichts von Inflation und Rezession verhandelt die Regierung Siles mit dem IWF und setzt einen Sparplan durch (Plan zur Währungsstabilisierung), der die Löhne einfriert und Subventionen für lebensnotwendige Güter streicht. Der MNR beginnt die Unterstützung der Volksmassen zu verlieren, die er 1952 mit Hilfe von PIR, PCB und POR zu täuschen vermocht hatte.

1960 wird Paz Estenssoro mit 76 % der Stimmen zum Präsidenten gewählt und Lechín (MNR) zum Vizepräsidenten. 1964 schließt Paz Lechín aus. Lechín gründet eine neue bürgerlich-nationalistische Partei, die PRIN. Paz wird mit General René Barrientos als Vizepräsident wiedergewählt. Die MNR-Regierung unterdrückt gewaltsam den dreitägigen Streik, zu dem Lechín und die COB-Führung aufgerufen haben. Die Generäle Barrientos, Ovando und Banzer stürzen den gewählten Präsidenten mit Unterstützung der CIA. Lechín billigt den Militärputsch.

Die Junta verkündet einen „Pakt zwischen Militärs und Bäuer*innen“, indem sie indigene Kaziken korrumpiert. Sie errichtet die erste Zinnhütte im Land (das Erz wurde bis dahin im Ausland verhüttet). Der ehemalige MNR-Mann Barrientos, der Quechua spricht, wird 1966 mit mehr als 66 % der Stimmen gewählt, mit Unterstützung von PIR und PRA, einer Abspaltung des MNR. Barrientos verbannt Lechín, unterdrückt die Arbeiter*innen im Juni 1967 blutig (Massaker von San Juan) und ermordet zahlreiche Aktivist*innen der PCB und der POR. Mit Hilfe der US-Regierung unter Johnson (Demokratische Partei) nahm der Armeechef Ovando im Oktober Che Guevara gefangen und ermordete ihn, dessen Guerillabewegung (ELN, unterstützt von der POR-Combate) weder bei den Bauern Unterstützung gefunden noch die von der PCB versprochene Hilfe erhalten hatte.

Präsident Barrientos stirbt im April 1969 bei einem Unfall. Im September stürzt General Ovando die legale Regierung und setzt die Repression gegen die Arbeiter*innen aus. Er kündigt die Verstaatlichung des US-amerikanischen Erdölkonzerns Gulf Oil (heute Chevron) gegen Entschädigung an. Die PRIN-Führung der COB kommt aus dem Untergrund und ruft „Offiziere, Priester, Freiberufler*innen, Bäuer*innen und Arbeiter*innen“ dazu auf, eine „antiimperialistische Einheitsfront“ zu bilden. Im Januar 1970 erklärt Generalstabschef Juan José Torres, da weder die Bourgeoisie noch das Proletariat stark genug seien, falle der Armee die Aufgabe zu, das Land gegen den Imperialismus zu verteidigen.

In den Gewerkschaften bildet die POR-Masas ein Bündnis mit der stalinistischen Partei PCB. Im April 1970 nimmt der 4. Kongress der COB unter dem gemeinsamen Druck der PCB und der POR-Masas offiziell die „stufenweise Revolution“ des weltweiten Stalinismus an, ergänzt durch einige radikale Formulierungen (COB, „Politische Thesen“, April 1970, in: Guillermo Lora, Von der Gründung der POR bis zur Volksversammlung, EDI, S. 167–168). Die zweite Etappe, die sozialistische Revolution, wird auf die Zukunft verschoben, während die aktuelle Situation der Etappe der „antiimperialistischen Volksrevolution“ zuzuordnen ist, die mittels einer „antiimperialistischen Volksfront“ durchgeführt wird.

Die POR-Combate ihrerseits prangert dieses Zugeständnis an und ruft die Bergleute dazu auf, sich wie 1952 zu bewaffnen. Widersprüchlicherweise fordert sie jedoch die Arbeiter und Studenten auf, ihr Umfeld zu verlassen, um auf dem Land Guerillakämpfe zu führen. Im September 1970 schlägt die Armee den zweiten Guerillaversuch der ELN nieder.

Im Oktober 1970 stürzt General Miranda, unterstützt von der Phalange (FSB), Ovando. Die COB ruft zum Generalstreik gegen den Putsch auf. PCB, PCB (ML), PS und die POR-Masas von Lora rufen gemeinsam mit PRIN und einer Fraktion des MNR zu einer „antiimperialistischen Volksregierung“ auf und bilden untereinander eine Volksfront, das Comando Politico (Politisches Kommando). General Torres vertreibt Miranda. Er freut sich darüber, die „Einheit der Streitkräfte“ (sic!) bewahrt zu haben. Er ernennt General Reque, der die Operationen gegen die Guerilla geleitet hatte, zum Generalstabschef und lässt Banzer, der von der US-Armee ausgebildet wurde, an der Spitze der Militärakademie. Die Volksfront CP unterstützt die Junta. Die POR-Combate prangert die Illusionen in die bürgerliche Armee an … und stellt ihnen die Guerilla entgegen. Im Januar 1971 versucht General Banzer, Torres zu stürzen. Bergarbeiter*innen bewaffnen sich. Banzer wird freigelassen, und Torres weigert sich, den Arbeiter*innen und Student*innen, die sich ihnen anschließen, Waffen zu geben. Er fordert sie auf, der Armee zu vertrauen.

Die bürgerlich-nationalistische Führung der COB, die PRIN, beruft eine nicht gewählte „Asamblea Popular“ (Volksversammlung) ein. Die POR-Masas verwandelt die Volksversammlung in eine „antiimperialistische Front mit sowjetischen Merkmalen“ (das heißt, identisch mit den Arbeiter*innen-, Soldaten- und Bauernräten der Russischen Revolution), in ein „Machtorgan der Massen und der Arbeiter*innenklasse“, das „die Tätigkeit der Regierung überwacht“. Doch wenn die Volksversammlung ein sowjetisches Organ wäre, würde sie von den kämpfenden Massen gewählt und müsste eine bürgerliche Regierung nicht „überwachen“, sondern ersetzen. Seine Sekte wendet sich gegen die Teilnahme der POR-Combate an der Volksversammlung, obwohl ein Sowjet ein Arbeiter*innenparlament ist, ein Ort der demokratischen Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen von den kämpfenden Massen anerkannten Parteien.

Nach Ansicht des Führers der POR-Masas wäre es „Wahnsinn“, eine Arbeiter*innenregierung zu fordern. Tatsächlich dient die Volksversammlung aufgrund der Unfähigkeit und Dummheit der reformistischen Führer*innen und der bürgerlichen demokratischen Schwätzer*innen dazu, die Massen abzulenken, die ohne Waffen und ohne Organe der Selbstorganisation bleiben. Sie tritt am 21. Juni 1971 und anschließend am 2. Juli mit Erlaubnis der Junta unter dem Vorsitz von Lechín in den Räumlichkeiten des Parlaments zusammen, ohne jemals zu handeln oder gewählt zu werden. Diskutiert wird vor allem über die Verstärkung der Präsenz der Arbeiter*innen in der Comibol – eine reformistische Illusion, die Lora teilt.

Der faschistische Staatsstreich wurde vorzeitig durchgeführt, um zu verhindern, dass sich der Kampf der Arbeiter um die Kontrolle über die Comibol ausweitete. (Guillermo Lora, „Von der Volksversammlung zum faschistischen Staatsstreich“, April 1972, Bolivien: Von der Gründung der POR bis zur Volksversammlung, EDI, S. 227)

Die letzte Entscheidung der Volksversammlung besteht darin, ihre Beratungen für zwei Monate bis zum 7. September auszusetzen.

General Banzer wartet nicht. Im August 1971 greift mit Unterstützung der US-Regierung Nixon (Republikanische Partei), der FSB und des MNR (weiterhin geführt vom ehemaligen Präsidenten von 1952, Paz Estenssoro) ein Teil der Armee die Regierung und vor allem die Hochburgen der Arbeiter*innen an. Lechín erklärt den Massen, der Putsch werde sich nicht ausweiten, da die Armee Torres treu bleiben werde. Bergarbeiter*innen und Student*innen verlangen Waffen, doch Torres verweigert sie ihnen. Die Aktivist*innen beider POR führen mutig den Gegenangriff, doch das reicht nicht aus. Bis zuletzt setzt die POR-Masas ihre Hoffnungen auf einen General der bürgerlichen Armee, einen Bonaparte.

„Im Oktober 1970 dachten alle – einschließlich wir Marxist*innen –, dass die Waffen von der damals regierenden militärischen Führung ausgegeben würden.“ (Guillermo Lora, „Die Konterrevolution vom August 1971“, La Correspondance internationale, März 1972, S. 5)

Führer*innen, die Vertrauen in Generäle der bürgerlichen Armee haben, sind keine Marxist*innen. Statt ihre Fehler angesichts der Ereignisse von 1952 und 1971 zu korrigieren, führen Lora und Gonzales die POR-Masas und die POR-Combate in eine neue Volksfront, die Revolutionäre antiimperialistische Front (FRA), gemeinsam mit ELN, PCB, PS, aber auch General Torres, PRIN und MIR. 1978 gründete die maoistische PCB-ML gemeinsam mit der PRIN und der POR-Combate die FRI. Die FRI entwickelte sich zu einer bürgerlichen Partei, die sich mit der MNR verbündete.

Der konterrevolutionäre Terror dauert in Bolivien bis 1982. Auf dem gesamten Subkontinent arbeiten die Geheimdienste Boliviens, Chiles, Argentiniens, Brasiliens, Paraguays und Uruguays gemeinsam mit der CIA der Vereinigten Staaten daran, Arbeiter*innenaktivist*innen zu ermorden („Operation Condor“).

2005–2019 beweist der MAS erneut die Ohnmacht der nationalen Bourgeoisie

Vizepräsident Quiroga, der Banzer ablöst, übergibt die gerade entdeckten Gasvorkommen an US-amerikanische Kapitalgruppen. Dies führt 2003 zu Volksbewegungen, die unter der Führung einer neuen bürgerlich-nationalistischen Partei stehen, die in der Bauernschaft verwurzelt ist: der Movimiento al Socialismo (Bewegung zum Sozialismus, MAS).

Lateinamerika erlebt von 2003 bis 2012 eine durch die chinesische Nachfrage getriebene wirtschaftliche Entwicklung. Davon profitieren der PJ Argentiniens (Erbe der PT-PJ des Obersten Perón) und der PSUV Venezuelas (gegründet vom Obersten Chávez), die zeitweise den sozialen Frieden sichern. In Bolivien wird 2005 Evo Morales, der erste indigene Präsident, an der Spitze des MAS (einer bürgerlich-nationalistischen Partei bäuerlichen Ursprungs) gewählt. Die Gaseinnahmen ermöglichen eine Umverteilung der Einkommen, ohne das Privateigentum wirklich anzutasten. Die Einnahmen aus den Exporten nach Brasilien, Argentinien, Indien und China füllen die öffentlichen Kassen, während der Aufschwung von Handel und informeller Wirtschaft die Städte umgestaltet.

Morales beruft eine verfassungsgebende Versammlung ein, die 2005 einen Verfassungsentwurf ausarbeitet, über den 2009 in einem Referendum abgestimmt wird. Der Bonaparte versucht, die soziale Basis des bürgerlichen Staates zu verbreitern, indem er den traditionellen Anbau von Koka legalisiert, Zugeständnisse an indigene Kulte und Stammesführer*innen macht und kleine Bergbauunternehmen zulässt, die als „Kooperativen“ präsentiert werden, von jeder Gewerkschaft befreit sind und von ökologischen Auflagen entbunden werden. 2008 verspricht Morales, Lithium (20 % der weltweiten Reserven) national auszubeuten. Das staatliche Unternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) scheitert jedoch.

Während der Weltwirtschaftskrise von 2009 schwächen der Rückgang der Rohstoffpreise und der weltweiten Nachfrage, der daraus folgende Einbruch der Steuereinnahmen und die Verknappung der Devisen den bürgerlichen Nationalismus in mehreren lateinamerikanischen Staaten, darunter Bolivien. Im Mai 2013 unterdrückt die Regierung Morales-García Linera die auf Aufruf der COB streikenden Lohnarbeiter*innen. Der MAS organisiert eine Gegendemonstration „zur Verteidigung der Demokratie“, wobei er sich auf von ihm kontrollierte Bäuer*innenorganisationen und Nachbarschaftsvereinigungen stützt.

Im Jahr 2014 wurde Morales im ersten Wahlgang mit erneut 61 % der Stimmen zum Präsidenten wiedergewählt. Im Jahr 2016 verlor er knapp das Referendum über die Verfassungsreform. Ziel war es, ihm eine erneute Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen zu ermöglichen. Die LOR ruft zur Stimmenthaltung auf; die POR ruft dazu auf, mit „Nein“ zu stimmen, und steht damit de facto auf einer Linie mit den proamerikanischen bürgerlichen Parteien (MDS, PDC, Unidad, MNR usw.).

Im Jahr 2019 erreicht er im ersten Wahlgang nur 47 % der Stimmen. Er wird durch einen Staatsstreich mit Unterstützung der COB-Führung gestürzt. Die aus dem Staatsstreich hervorgegangene Regierung geht hart gegen die MAS vor, woraufhin sich die Partei spaltet.

Luis Arce (MAS), 2020 gewählt, schließt 2024 mehrere Verträge mit der chinesischen Gruppe Hong Kong CBC über zwei Anlagen zur Herstellung von Lithiumkarbonat sowie mit dem russischen Unternehmen Uranium One Group, einer Tochtergesellschaft von Rosatom, über eine dritte Anlage. Die Parlamentswahlen von 2025 beenden die Hinwendung zum chinesischen Imperialismus und führen Bolivien wieder in die US-amerikanische Einflusssphäre.

Der Morenismus in den Fußstapfen des bürgerlichen Nationalismus

Die morenistische MST (ehemals PST), die zunächst der LITQI/LITCI und heute der ISL/LIS angehört, schließt sich der MAS an, obwohl Trotzki eindringlich davor gewarnt hatte, dies zu tun.

Unsere Organisation darf sich nicht an der APRA in Peru, der Guomindang in China oder der PRM in Mexiko beteiligen. (Leo Trotzki, „Diskussion über Lateinamerika“, 4. November 1938, Werke, Bd. 19, ILT, S. 133)

Der wichtigste Führer der MST, Pablo Solón Romero, wird belohnt: Er wird von Morales zum Botschafter bei der UNO ernannt.

Die konkurrierende morenistische Gruppe LOR (angeschlossen an den internationalen Zusammenschluss FTQI/FTCI, heute CRPQI/CRPICI) stellt die bürgerlich-nationalistische Partei als „reformistische“ Partei dar. Die LOR will die Volksversammlung von 1971 wiederbeleben.

Von der COB sowie der FMSTB die Einberufung einer Volksversammlung fordern! (LOR, Lucha Obrera, 30. Januar 2003)

Ihre geistige Mutter, die PTS, hatte 2001 in Argentinien, einem Staat, in dem die bürgerliche „Demokratie“ funktioniert, zu einer verfassungsgebenden Versammlung aufgerufen. Ebenso fordert die LOR in Bolivien eine verfassungsgebende Versammlung.

„Gas verstaatlichen, durch eine revolutionäre verfassunggebende Versammlung. Die COB, CSUTCB, FEJUVE und COR von El Alto, die FSTMB und andere kämpfende Organisationen sollen zu einer einzigen Sache aufrufen: zur Volksversammlung, jetzt!“ (LOR, lorci.org, Juni 2005)

Um besonders radikal zu wirken, fügen die Morenisten ihrem Slogan das Adjektiv „revolutionär“ hinzu – ein Adjektiv, auf das das Programm der Vierten Internationale 1938 in Bezug auf Indien (das damals von Großbritannien kolonialisiert war) oder China (das damals zersplittert war und von den großen imperialistischen Mächten beherrscht wurde) verzichtete. Die morenistische List ändert nichts: Eine Nationalversammlung oder verfassunggebende Versammlung, unabhängig von ihrer Bezeichnung, besitzt in Ländern, in denen Wahlen und Mehrparteiensystem bestehen, keinerlei progressive Bedeutung. Sie ist eine Schlinge um den Hals des Proletariats, wie Tunesien, Chile und Bolivien zu Beginn des 21. Jahrhunderts beweisen. Die LOR unterstützt die bürgerliche Ablenkung und die Flickschusterei am bürgerlichen Staat.

„Viele Arbeiter*innen in Stadt und Land vertrauen dem MAS. Deshalb sind wir bereit, gemeinsam die politischen Rechte und die legitimen demokratischen Bestrebungen der Arbeiter*innen zu verteidigen – etwa die Forderung nach einer freien und souveränen verfassunggebenden Versammlung –, gegen jeden Versuch, sie weiter einzuschränken oder zu umgehen.“ (LOR, estrategiainternacional.org, 5. Oktober 2005)

Das „Programm“ der LOR besteht aus einem Reformismus, der sich als „Antikapitalismus“ und „Zusammenführung der Kämpfe“ tarnt, der den Kampf gegen die Gewerkschaftsbürokratien, die bürgerlich-nationalistischen Führungen und die reformistischen Parteien „vergisst“, der die Bewaffnung der Arbeiter, den Aufstand und die Diktatur des Proletariats „vergisst“.

Man muss sich auf die Möglichkeit großer sozialer Umwälzungen vorbereiten, die durch die weltweite kapitalistische Krise angeheizt werden, indem man die bewussten Kräfte des antikapitalistischen Kampfes organisiert… indem wir alle sozialen Bewegungen der Unterdrückten, der Volksbewegungen, der Umweltschützer und der Feministinnen zur Einheit aufrufen, damit sie sich um ein gemeinsames Ziel vereinen, um diesem dekadenten System an der Seite der Arbeiterklasse in allen Ländern ein Ende zu setzen. (Palabra Obrera, Juni 2013)

Die loristische Sekte (POR) kritisiert ihren morenistischen Konkurrenten (LOR) chauvinistisch als aus dem Ausland stammend und unterstützt die Bewegung der Polizist*innen gegen die populistische Regierung, als handele es sich dabei um die Arbeiter*innenklasse.

„POLIZIST*INNEN: Wartet nicht den Ablauf der einmonatigen Frist ab. Fangt jetzt an!“ (Masas Nr. 2310, 17. Mai 2013)

„Polizist*innen, wartet nicht bis zum Ende der einmonatigen Frist. Beginnt jetzt!“ (Masas Nr. 2310, 17. Mai 2013)

Die Täuschung durch die allgemeinen Wahlen von 2025

Im August 2025 erreichen die Kandidat*innen der drei wichtigsten proimperialistischen bürgerlichen Parteien (PDC, Libre, Unidad) im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen zusammen 78 % der abgegebenen Stimmen.

Im Wahlkampf gegenüber Jorge Quiroga (vom Block Alianza Libre, dem auch der MNR angehört) sparen PDC und Paz nicht mit der üblichen Demagogie bürgerlicher Wahlkämpfer*innen. Paz gewinnt Wähler*innen, die von Morales und dem diskreditierten und gespaltenen MAS enttäuscht sind. Der PDC, eine weniger strukturierte Partei als seine Rivalen, verspricht, dem Drogenhandel und der Korruption ein Ende zu setzen, die sozialen Errungenschaften zu erhalten und einen „Kapitalismus für alle“ zu schaffen. Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten ist Hauptmann Edmand Lara, der durch seine Enthüllungen über die Korruption in der Polizei populär geworden ist.

Im Oktober 2025 wird das Duo im zweiten Wahlgang gewählt, nachdem der Kandidat einer anderen bürgerlichen Partei, Unidad, der im ersten Wahlgang den dritten Platz erreicht hatte, zugunsten von Paz zurücktritt.

Kaum an der Macht, beruhigt Paz die herrschende Klasse. Auf dem Unternehmerforum „Bolivien für die Welt, die Welt für Bolivien“ garantiert er, dass er den Extraktivismus fortsetzen wird (Export von Lithium und Gas) und dass der Staat Vorschriften und Sozialausgaben abbauen wird. Da er keine absolute Mehrheit im Parlament besitzt, stützt er sich auf einen Block aus PDC und Unidad. Vizepräsident Lara widersetzt sich dem.

Mit Erlaubnis von Paz kehren die US-amerikanische DEA und CIA in die Heimatregion von Morales, den Chapare, zurück, aus der sie 2008–2009 vertrieben worden waren. Die Abschaffung der Treibstoffsubventionen durch das Dekret 5503 vom 17. Dezember 2025 führt zu einem Anstieg des Benzinpreises um 86 % und des Dieselpreises um 160 %. Bergarbeiter*innen, Lehrer*innen, Beschäftigte im Transportwesen, Beschäftigte des öffentlichen Sektors, Bäuer*innen und indigene Bevölkerungsgruppen beteiligen sich an Demonstrationen, Streiks und Straßenblockaden …

Doch die Arbeiter*innenklasse übernimmt nicht die Führung der halb ausgebeuteten Klassen wie 1952 und 1971. Sie ruft keinen Generalstreik aus, bringt keine Sowjets auf nationaler Ebene hervor und bewaffnet sich kaum.

Die Bürokrat*innen verhandeln mit der Regierung, die die Massen vertreiben wollen

Der von der COB-Führung auf der „offenen Versammlung“ am 1. Mai angekündigte Generalstreik wird nie umgesetzt. Im am folgenden Tag veröffentlichten 16-Punkte-Text der Gewerkschaftsbürokratie ist davon keine Rede mehr.

Da sie weder durch eine revolutionäre Partei noch durch Selbstorganisation behindert werden, die auf einige Stadtviertel von El Alto beschränkt bleibt, können die Führer*innen der COB am 4. Mai einen auf einen einzigen Tag begrenzten Aktionstag ausrufen. Die Gewerkschaftsbürokratien (COB …), die bäuerlichen Organisationen (CSUTCB …) und ein großer Teil der Nachbarschaftskomitees (FEJUVE) zerstreuen die Kampfbereitschaft durch getrennte Demonstrationen, Straßenblockaden ohne organisierte Selbstverteidigung und 24-Stunden-Streiks, die zu unterschiedlichen Terminen ausgerufen werden: die Beschäftigten des Straßenverkehrs und der öffentlichen Krankenhäuser am 6. Mai, die Grundschullehrer*innen am 11. Mai, die Bergarbeiter*innen staatlicher Unternehmen am 11. Mai, diejenigen privater Unternehmen am 14. Mai … Einige Streiks werden verlängert, bleiben aber zersplittert, und die Basis kann keinen Generalstreik bis zur Durchsetzung ihrer Forderungen erzwingen.

Straßenblockaden sind eine typische Kampfform des Kleinbürgertums. Selbstständige können die Arbeit nicht kollektiv gegen einen Unternehmer einstellen, da sie gleichzeitig Unternehmer*in und Arbeitskraft sind (häufig gemeinsam mit Familienangehörigen). Die Regierung versucht, die Verknappung auszunutzen, unter der vor allem die indigene Bevölkerung entlegener Gebiete und die Einwohner*innen von El Alto leiden, dem riesigen Armenvorort oberhalb der Hauptstadt. Unterstützt von den großen Medien versucht sie außerdem, den Aufstand zu diskreditieren, indem sie ihn mit Morales und dem Drogenhandel in Verbindung bringt. Das gelingt ihr teilweise: Bergarbeiter*innen der Zinngrube Huanuni, die in technische Arbeitslosigkeit versetzt wurden, verlangen am 18. Mai von der COB, zur Aufhebung der Blockaden aufzurufen.

Am 10. Mai unterzeichnet die COB einen volksfrontlerischen Pakt mit der indigenistischen Bewegung Ponchos Rojos und dem Senator Condori von der bürgerlichen Partei Unidad. Von einem Generalstreik ist selbstverständlich keine Rede, vielmehr wird erklärt, dass die COB nichts unterschreiben werde, solange Paz Präsident ist. Ein Flügel der Bürokratie (die Instanzen von Santa Cruz, Cochabamba, Tarija …) hält das für eine zu weitgehende Forderung.

Die Regierung PDC-Unidad verliert keine Zeit

  • Am 5. Mai schließt die Regierung einen Pakt mit den Transportkapitalisten von La Paz (wo es nur wenig öffentlichen Verkehr gibt) und Santa Cruz.
  • Am 6. Mai erklärt sich die Regierung bereit, den Treibstoffpreis für Taxis zu senken.
  • Am 6. Mai schließt die nationale Führung der wichtigsten Bauernorganisation, der CSUTCB, nach dem „indigenen Marsch“ vom 4. Mai ein Abkommen mit dem Präsidenten, der sich verpflichtet, den Wortlaut des Gesetzes 1720 zu überprüfen.
  • Am 14. Mai werden der Polizei zusätzliche Vergünstigungen gewährt, um ihren Eifer bei der Repression gegen die kämpfenden Massen sicherzustellen. An diesem Tag zerstreut sie die Arbeiter*innendemonstration auf der Plaza Murillo in La Paz. Von da an sind es die indigene Bauernschaft und die Beschäftigten des informellen Sektors von El Alto (der riesigen armen Vorstadt oberhalb der Hauptstadt), die sich weiterhin massenhaft gegen die Regierung Paz stellen.
  • Am 15. Mai schließt der Apparat der Nationalen Föderation der Bergbaukooperativen (Fencomin), die kleine Unternehmen zusammenfasst, die von Steuern befreit sind, die Gewerkschaftsbildung verbieten und die Umwelt verschmutzen, ein Abkommen mit dem Wirtschaftsminister. Die Beitragsrückstände der Goldabbaukooperativen gegenüber der Sozialversicherung (CNS) in Höhe von 95 Millionen Bolivianos (etwa 7 Millionen Euro bzw. 8 Millionen US-Dollar) werden erlassen. Die Fencomin stellt ihre Demonstrationen ein.
  • Am 16. Mai schließt die Führung der COB von El Alto einen Kompromiss mit der Regierung und schließt sich der nationalen Bewegung nicht an.
  • Am 16. Mai unterzeichnet die Führung der CTEUB, der Bildungsföderation der COB, mit dem Bildungsminister ein Abkommen über eine jährliche Prämie von 2.400 Bolivianos (208 US-Dollar, 180 Euro).
  • Am 12. Juni unterzeichnet die Führung der CGTFB, die die Gewerkschaften der verarbeitenden Industrie innerhalb der COB zusammenfasst, ein Abkommen mit Paz.
  • Am 17. Juni unterzeichnen die Führer*innen der wichtigsten Gewerkschaft der COB, derjenigen des staatlichen Zinnbergwerks Huanuni, ein Abkommen über eine Prämie von 5.000 Bolivianos (434 US-Dollar, 370 Euro). Der Präsident verpflichtet sich, dieses Unternehmen nicht zu privatisieren, und der Vertreter der Bergarbeiter*innen rechtfertigt dies folgendermaßen:

„Jetzt mehr denn je müssen wir für die Befriedung des Landes arbeiten, die Koordinierung zwischen den verschiedenen Sektoren stärken und auf die Versorgungsbedürfnisse reagieren, denen sich die Bevölkerung gegenübersieht.“ (Omar Choque, 18. Juni)

  • Am 18. Juni unterzeichnen die Mitglieder der Gewerkschaft der Bergarbeiter*innen von Colquiri ein ähnliches Abkommen.
  • Am 19. Juni unterzeichnet die nationale Führung der COB mit dem Präsidenten.
  • Am 19. Juni besteht noch die Hälfte der ursprünglich rund hundert Straßenblockaden.
  • Am 20. Juni verhängt die Regierung eilig den Ausnahmezustand.
  • Am 23. Juni zerstreuen Armee und Polizei die letzten Blockaden. Am 5. Juli wird Vicente Salazar, Führer der Bauernorganisation Tupac Katari, verhaftet.

Der frühere Präsident Morales (MAS), den Paz beschuldigt, die Unruhen angezettelt zu haben, erklärt, er habe niemals Straßenblockaden gewollt, und fordert Neuwahlen innerhalb von 90 Tagen.

  • Am 29. Juli gewährt der IWF Bolivien einen Kredit in Höhe von umgerechnet 1,9 Milliarden Dollar.

Die Bürokratie wird schlecht belohnt. Am 13. Juli schafft das Oberste Dekret 5654 den automatischen Abzug der Gewerkschaftsbeiträge vom Lohn ab, der durch das Gesetzesdekret 07204 von 1965 zur Finanzierung des Gewerkschaftsapparats eingeführt worden war.

53 Tage lang haben die Arbeiter*innenklasse, die Arbeiter*innen und die armen Bäuer*innen den bürgerlichen Staat herausgefordert, ohne über eine revolutionäre Partei zu verfügen. Doch wie haben die Organisationen gehandelt, die sich auf Marx, Engels, Lenin und Trotzki berufen?

Der Zentrismus kapituliert vor den Gewerkschaftsbürokratien

Mehrfach stützte sich eine Avantgarde auf die lokalen und internationalen Erfahrungen der Arbeiter*innenklasse, um zu versuchen, die bolivianische Arbeiter*innenklasse vom bürgerlichen Nationalismus zu befreien: eine mit den Bergarbeitern verbundene Gruppe der POR im Jahr 1946, die Leninistische Fraktion der POR im Jahr 1954, die LSR im Jahr 1970, Poder Obrero im Jahr 1985. Diese Gruppen sind jedoch degeneriert oder verschwunden, Opfer der brutalen Repression und vor allem des Verschwindens jeglichen internationalen kommunistischen Zentrums.

In der heutigen Arbeiter*innenbewegung hingegen hat keine Organisation Lehren aus der Programmrevision durch die Führung der Vierten Internationale im Jahr 1951 gezogen, noch aus der Unfähigkeit der POR, sich 1952 von der nationalen Bourgeoisie abzugrenzen. Keine Organisation hat Lehren aus der Degeneration der beiden aus der POR hervorgegangenen Organisationen gezogen, als diese vor dem verrotteten Apparat der COB kapitulierten und sich einer Volksfront anschlossen. Schlimmer noch: Der wachsende Einfluss des Quasi-Reformismus der argentinischen Morenisten führte dazu, dass der revolutionäre Aspekt, den die Politik der POR 1952 noch bewahrt hatte, ausgelöscht wurde: die Selbstverteidigung der Massen, die Arbeiter*innen- und Bauernmiliz, der Arbeiter*innen- und Bauernaufstand.

Derzeit beziehen sich drei Organisationen auf die ehemalige Vierte Internationale (1933–1951): die Partido Obrero Revolucionario-Masas (loristische POR), die Ligue Ouvrière Révolutionnaire (morenistische LOR), die mit der argentinischen PTS verbunden ist, und die Movimiento Socialista de los Trabajadores (morenistisches MST), die mit dem argentinischen MST verbunden ist. Sie haben jedoch keinerlei Absicht, sich zu einer demokratischen Partei auf der Grundlage ihres Programms zu vereinigen. Im Gegenteil: Sie streiten umso erbitterter miteinander, als sie dieselbe Revision des Programms, denselben Opportunismus gegenüber dem bürgerlichen Nationalismus und dieselbe Anpassung an die Gewerkschaftsbürokratien teilen.

Im Juni 2026 verrät die Führung der COB für die PTS, die die LOR anleitet, nicht – sie zögert lediglich.

„Die Führung der COB scheint zu zögern, die notwendigen Mittel zur Organisierung des Generalstreiks einzusetzen, und verfolgt eine Strategie der Abnutzung.“ (Matías Maiello & Josefina Martínez, „Die strategischen Lehren aus der bolivianischen Rebellion und die organische Krise in Lateinamerika“, 9. Juni)

Doch „Aktionstage“ auszurufen und mit der Regierung Paz zu verhandeln, hat nichts mit einer „Strategie der Abnutzung“ der Regierung zu tun. Es handelt sich um weltweit bekannte Manöver, um die Kampfbereitschaft der Arbeiter*innen zu zermürben, den Generalstreik zu sabotieren und jedes Risiko einer Lähmung des nationalen Kapitalismus, jedes Risiko einer sozialen Revolution, abzuwenden.

Bei solchen Lehrer*innen ist es nicht verwunderlich, dass die LOR sich auf die Gewerkschaftsführung verlässt.

„Die Führung der COB muss endlich den am 1. Mai vergangenen Jahres beschlossenen Generalstreik umsetzen und ihre Rolle als Führung und Koordinatorin des Kampfes wahrnehmen, der sie sich bisher ständig entzieht.“ (LOR, revolutionpermanente.fr, 12. Juni)

Die loristische POR Loriste beruft sich immer wieder auf ihr Bündnis mit den Stalinisten in der COB von 1970–1971, auf ihr Bündnis mit einem Teil der bürgerlichen Armee während der Volksversammlung von 1971 (Masas Nr. 2886, 17. Juni, S. 4) sowie auf ihre Volksfront im Exil (FRA) mit den Stalinisten, der PRIN und General Torres. Heute dient die POR als „radikale“ Krücke der COB-Führung. Die POR ist weitgehend in den Gewerkschaftsapparat im Bildungswesen integriert und unterstützt den Aktionstag, der sich dem Generalstreik gegen die Regierung entgegenstellt.

„Der Vorsitzende der städtischen Lehrer*innen von La Paz, José Luis Álvarez, bestätigte, dass der 24-Stunden-Streik für diesen Montag, den 11. Mai, auf nationaler Ebene feststeht.“ (unitel.bo, 10. Mai)

Am Vorabend des Verrats der COB-Führung am 19. Juni gibt sich die POR immer noch Illusionen hinsichtlich der Bürokratie hin, die bereits 1952 und 1971 Verrat begangen hat. Sie stellt sie sogar als Vorbild dar, wenn sie der lokalen Führung von Cachamaba vorwirft, sich „von der Position der COB zu entfernen“ (Masas Nr. 2886, 17. Juni, S. 8).

Die der ISL angeschlossene MST ist noch opportunistischer. Sie behauptet, die bürokratisierte und verräterische Gewerkschaft sei ein Sowjet, ein Organ der Doppelmacht.

„Die COB ist nicht mehr nur eine einfache Gewerkschaft, sondern wird zu einem Organ der Doppelmacht … Es ist die Pflicht ihrer derzeitigen Führer*innen, die Doppelmacht zum Sieg zu führen. Das bedeutet die Regierung der COB und der kämpfenden bäuerlichen und Volksorganisationen. Die konkrete Allianz, die sich an der Spitze der COB gebildet hat, muss regieren.“ (MST, 20. Mai)

Im Gegensatz zu den POR-Anhänger*innen weichen die Morenisten der LOR und der MST der Frage der Selbstverteidigung und der Bewaffnung aus.

Eine einheitliche und demokratische Partei zur Umsetzung der Thesen von Pulacayo und zur Bewaffnung der Arbeiter*innen!

Die Bewaffnung der kämpfenden Massen und die Bildung von Sowjets (Volkskomitees an der Basis, die regional und national durch gewählte und abberufbare Delegierte koordiniert und zentralisiert werden) sind die einzigen Mittel, um die Führung der COB zu überflügeln und Paz zu stürzen, um eine Arbeiter*innen- und Bauernregierung zu bilden und nicht nur eine Flickschusterei zugunsten eines anderen Vertreters der Bourgeoisie.

Solange der Kapitalismus besteht, wird die Arbeiterbewegung ständig von Repression bedroht sein … Um die faschistischen Banden und Streikbrecher zurückzuschlagen, bilden wir ordentlich bewaffnete Arbeiter-Streikposten … Entscheidend ist, den einfachen Arbeitern zu zeigen, dass sie sich gegen die Bourgeoisie bewaffnen müssen, die selbst bis an die Zähne bewaffnet ist. (Thesen von Pulacayo, November 1946, in: Lora, Bolivien: Von der Gründung der POR bis zur Volksversammlung, EDI, S. 17)

Das bolivianische Proletariat verdient mehr als die Vervielfachung konkurrierender Sekten ohne innere Demokratie, die allesamt gleichermaßen opportunistisch sind. Um den Kapitalismus zu stürzen, braucht es eine einzige bolschewistische, demokratische und internationalistische Partei, die auf dem Programm der Kommunistischen Internationale und demjenigen der Vierten Internationale basiert. Um Verrat zu verhindern und die mit den Ausbeuter*innen verbundenen korrupten Bürokrat*innen zu vertreiben, braucht es eine einzige klassenkämpferische Gewerkschaftstendenz in der COB und ihren Gewerkschaften, den Nachbarschaftskomitees, den Organisationen der arbeitenden Bäuer*innen, der Arbeiterinnen, Student*innen …

So werden die Thesen von Pulacayo von 1946 triumphieren:

  • Raus mit der US-Armee, der CIA und der DEA! Annullierung der Schulden beim IWF und beim ausländischen Bankkapital!
  • Bruch der Arbeiter*innen-, Bauern-, indigenen und Student*innenorganisationen mit der kapitalistischen Regierung und der gesamten angeblich demokratischen oder antiimperialistischen Bourgeoisie!
  • Demokratie in den Gewerkschaften, Bauern-, Student*innen-, Frauen- und indigenen Organisationen! Unabhängigkeit vom bürgerlichen Staat, unabhängig davon, welche Regierung vorübergehend an seiner Spitze steht! Bezahlung der hauptamtlichen Funktionär*innen auf dem durchschnittlichen Lohnniveau der Arbeiter*innen ihres Sektors!
  • Offene Versammlungen in Fabriken, Bergwerken, im Transportwesen, in Stadtteilen, Gymnasien, Universitäten und bäuerlichen Gemeinschaften! Wahl jederzeit abwählbarer Delegierter in lokale Sowjets und in einen nationalen Sowjet!
  • Arbeiter*innenkontrolle über Handel, Banken, Transportunternehmen, Bergwerke und die gesamte Industrie! Verstaatlichung der Latifundien und Großunternehmen ohne Entschädigung oder Rückkauf!
  • Organisierung von Soldatenkomitees durch die Arbeiter*innenbewegung zur Verbrüderung mit den kämpfenden Massen! Auflösung der Repressionskräfte! Arbeiter*innen- und Bauernmilizen! Bewaffneter Aufstand!
  • Arbeiter*innen- und Bauernregierung! Sozialistische Föderation Lateinamerikas!