{"id":679,"date":"2026-09-01T12:00:40","date_gmt":"2026-09-01T10:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.revolucionpermanente.com\/deutsch\/?p=679"},"modified":"2026-09-04T16:12:51","modified_gmt":"2026-09-04T14:12:51","slug":"bolivien-die-fuehrung-der-cob-rettet-die-regierung-paz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revolucionpermanente.com\/deutsch\/2026\/09\/01\/bolivien-die-fuehrung-der-cob-rettet-die-regierung-paz\/","title":{"rendered":"Bolivien: Die F\u00fchrung der COB rettet die Regierung Paz"},"content":{"rendered":"<p>Am 19. Juni unterzeichnet Mario Argollo, Generalsekret\u00e4r der Bolivianischen Arbeiterzentrale (COB), nach 50 Tagen Streiks, Demonstrationen, Stra\u00dfenblockaden und Auseinandersetzungen mit der offiziellen Polizei und faschistischen Banden ein Abkommen \u00fcber \u201eBefriedung und Wiederaufbau des Landes\u201c mit der Regierung Paz (die aus dem Block PDC-Unidad besteht).<br \/>\n\u201eDie Protestma\u00dfnahmen werden auf nationaler Ebene aufgehoben, verbunden mit der Verpflichtung der Regie-rung, alles Erreichte umzusetzen \u2026 Damit kein Blut vergossen wird, wollen wir nicht, dass es zum Ausnahme-zustand kommt.\u201c (Mario Argollo, vision360.bo, 19. Juni)<br \/>\nW\u00e4hrend die Massen des Landes den Staatschef vertreiben wollten, bleibt dieser im Amt und erreicht die Aufhe-bung der Blockaden.<br \/>\n<strong>Ein abh\u00e4ngiges Land und eine verk\u00fcmmerte Bourgeoisie<\/strong><br \/>\nBolivien ist ein Binnenland in S\u00fcdamerika mit 12,5 Millionen Einwohner*innen. Im Westen erstreckt sich ein gem\u00e4\u00dfigt temperiertes Hochplateau zwischen zwei Gebirgsketten, im Osten eine Schwemmebene mit tropischem Klima.<br \/>\nDie wichtigste Sprache ist kastilianisches Spanisch, doch ein bedeutender Teil der Bev\u00f6lkerung spricht Aymara oder Quechua. Die Wirtschaft hing im 20. Jahrhundert weitgehend vom Export von Zinn ab, heute von Gas, Li-thium und Koka.<br \/>\nDer Mehrwert, der aus der Ausbeutung der Arbeiter*innenklasse entsteht, wird zu einem gro\u00dfen Teil an aus-l\u00e4ndische legale und mafi\u00f6se Kapitalgruppen transferiert. Vor Ort ist die Akkumulation des Kapitals gering, so-dass die Bourgeoisie nur \u00fcber eine schwache Legitimit\u00e4t verf\u00fcgt. Sie zerfleischt sich st\u00e4ndig \u00fcber den Grad ihrer Abh\u00e4ngigkeit von den imperialistischen M\u00e4chten, dar\u00fcber, welcher Macht der Vorzug zu geben ist, und \u00fcber die Methode, die gegen\u00fcber den wiederkehrenden K\u00e4mpfen der Massen, der Arbeiter*innen, B\u00e4uer*innen, Stu-dent*innen, Besch\u00e4ftigten des informellen Sektors und nationalen Minderheiten anzuwenden ist. Diese k\u00fcm-merliche herrschende Klasse schwankt zwischen der Akzeptanz der Rolle als Lakai des Yankee-Herrn, der Versu-chung, auf den chinesischen Imperialismus zu setzen, und nationalistischer Rhetorik. Eine solche Option sichert ihr die Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung sowie die Kontrolle \u00fcber die Gewerkschaften der Lohnabh\u00e4ngigen und die Organisationen der B\u00e4uer*innen. Doch wenn nationalistische Parteien an die Macht gelangen, unterwerfen sie sich, entt\u00e4uschen ihre Arbeiter*innen- und Bauernbasis und treiben dadurch die Entstehung einer neuen \u201epopulistischen\u201c Partei voran: Partido Republicano Genuino (PNG), Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR), Movimiento de la Izquierda Revolucionaria (MIR), Movimiento al Socialismo (MAS) \u2026<br \/>\nAuf \u201edemokratische\u201c Phasen folgen Milit\u00e4rjuntas (1964\u20131982), die gegen\u00fcber den Massen noch gewaltt\u00e4tiger sind als die zivilen Regierungen.<br \/>\n<strong>Unter dem Einfluss der Vierten Internationale \u00fcbernehmen die Bergarbeiter*innen 1946 die Thesen von Pulacayo<\/strong><br \/>\nDie Lehre aus der schrecklichen Niederlage der chinesischen Revolution von 1925\u20131927 besteht darin, dass der Analyse des Kapitalismus als weltweit \u00fcberholter Produktionsweise \u2013 seiner imperialistischen Phase \u2013 eine Strategie der permanenten Revolution entspricht. Die Vierte Internationale lehnt jede Unterordnung des Prole-tariats unter irgendeinen Fl\u00fcgel der Bourgeoisie ausdr\u00fccklich ab, auch in den abh\u00e4ngigen L\u00e4ndern.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie nationale Bourgeoisie der r\u00fcckst\u00e4ndigen L\u00e4nder ist unf\u00e4hig, die Gesellschaft auf nationalen, demokratischen \u2026 Grundlagen neu zu organisieren. Dennoch sind die demokratischen und \u00dcbergangsforderungen weiterhin ebenso g\u00fcltig \u2026 Man darf den demokratischen Kampf nicht der nationalen Bourgeoisie \u00fcberlassen, sondern er muss sich in einer Massensituation durch die Schaffung von Arbeiter*innen-, B\u00e4uer*innen- und Soldatenr\u00e4ten ausdr\u00fccken \u2026 In diesem Kampf muss die Linie der Partei der Arbeiter*innen darin bestehen, ihre eigene Unabh\u00e4ngigkeit und die Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiter*innenklasse zu bewahren.\u201c (\u201eDie koloniale Welt und der Zweite Weltkrieg\u201c, Mai 1940, Les Congr\u00e8s de la 4e Internationale, Bd. 1, S. 419\u2013420)<\/p><\/blockquote>\n<p>In Bolivien bilden die Bergarbeiter*innen das Herz der Arbeiter*innenklasse, verst\u00e4rkt durch den Zinnbedarf der US-amerikanischen imperialistischen Armee w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs. Die Gewerkschaftsf\u00f6deration der Bergarbeiter*innen (FSTMB) entsteht 1944 unter der F\u00fchrung von Lech\u00edn (MNR). Unter dem Einfluss von Guillermo Lora und eines Kerns der Partido Obrero Revolucionario (POR) verabschiedet sie 1946 auf ihrem Kongress von Pulacayo ein revolution\u00e4res Programm. Die Thesen von Pulacayo wenden sich gegen die Volks-front und gegen die Unterordnung des Proletariats unter irgendeinen Sektor der Bourgeoisie, selbst unter einen, der eine antiimperialistische Rhetorik benutzt, um Arbeiter*innen, B\u00e4uer*innen und Student*innen zu t\u00e4u-schen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie kapitalistische Produktionsweise ist qualitativ vorherrschend \u2026 Alle Aufgaben, die die Bourgeoisie nicht er-f\u00fcllt hat, stellen b\u00fcrgerlich-demokratische Ziele dar, die verwirklicht werden m\u00fcssen \u2026 Der Staat ist ein m\u00e4chtiges Instrument in den H\u00e4nden der herrschenden Klasse \u2026 Zu behaupten, dass die b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution als solche von \u201aprogressiven\u2018 Sektoren der Bourgeoisie verwirklicht werde und dass der k\u00fcnftige Staat der einer Regierung der nationalen Einheit und Verst\u00e4ndigung sein werde, zeigt eine entschlossene Absicht, die revolution\u00e4-re Bewegung zu erdrosseln.\u201c (\u201eThesen von Pulacayo\u201c, November 1946, in: Lowy, Le Marxisme en Am\u00e9rique latine, Maspero, S. 182\u2013186)<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch dieses Programm erw\u00e4hnt weder das bolivianische \u00c4quivalent der chinesischen Kuomintang, die MNR, die 1943 durch den Staatsstreich des Majors Villarroel erstmals an die Regierung gelangt, noch die Notwendigkeit einer Partei bolschewistischen Typs. Die POR grenzt sich gegen\u00fcber der MNR nur unzureichend ab.<br \/>\n1946 \u00fcbernimmt der Pro-Yankee-Fl\u00fcgel der Bourgeoisie wieder die Macht und unterdr\u00fcckt bis 1952 die Mas-sen. Die im Januar 1947 gew\u00e4hlten Abgeordneten der POR sitzen gemeinsam mit denen der FSTB (die weiter-hin von der MNR gef\u00fchrt wird) im \u201eparlamentarischen Bergarbeiterblock\u201c. Angesichts der scharfen Repression der Regierung schl\u00e4gt die POR 1949 der Partido de la Izquierda Revolucionaria (PIR, der stalinistischen Partei, aus der 1950 die PCB hervorgehen wird) und der MNR eine \u201eantiimperialistische Einheitsfront\u201c vor.<br \/>\n<strong>1951 f\u00e4llt die F\u00fchrung der Vierten Internationale in die \u201eantiimperialistische Einheitsfront\u201c zur\u00fcck<\/strong><br \/>\n1948\u20131949 passen sich die F\u00fchrer*innen der Vierten Internationale (Pablo, Mandel, Frank \u2026) dem Stalinismus an, der seinen H\u00f6hepunkt erreicht hat und an der Spitze der Revolutionen in Jugoslawien, Vietnam und China steht.<br \/>\n1951 bringen sie auf ihrem \u201eWeltkongress\u201c (an dem Hugo Gonzalez f\u00fcr die POR teilnimmt) die von Sinowjew und Radek 1922 angenommene antiimperialistische Einheitsfront (AIEF) der Kommunistischen Internationale wieder ins Spiel. Aufgrund der Trag\u00f6die der chinesischen Revolution war die AIEF aus allen programmatischen Texten der Vierten Internationale verschwunden.<br \/>\nDas revisionistische Internationale Sekretariat der Vierten Internationale (SIQI) stellt sich faktisch gegen die Thesen von Pulacayo. Es wirft die POR in die Arme der b\u00fcrgerlichen Partei mit nationalistischer und antiimperi-alistischer Rhetorik, die opportunistisch als \u201ekleinb\u00fcrgerlich\u201c pr\u00e4sentiert wird: der Movimiento Nacionalista Revolucionario (MNR).<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn Bolivien d\u00fcrfen sich unsere reorganisierten Kr\u00e4fte nicht von den Massen und ihren Bewegungen unter klein-b\u00fcrgerlicher F\u00fchrung der MNR isolieren.\u201c (\u201eDer Kampf gegen den imperialistischen Krieg\u201c, August 1951, Les Con-gr\u00e8s de la 4e Internationale, Bd. 4, S. 185)<br \/>\n\u201eIm Falle einer Mobilisierung der Massen unter dem Ansto\u00df oder dem \u00fcberwiegenden Einfluss der MNR muss un-sere Sektion die Bewegung mit allen Kr\u00e4ften unterst\u00fctzen, sich nicht enthalten, sondern im Gegenteil energisch eingreifen, um sie so weit wie m\u00f6glich voranzutreiben, bis hin zur Macht\u00fcbernahme durch die MNR auf der Grund-lage des fortschrittlichen Programms der antiimperialistischen Einheitsfront. Wenn dagegen unsere Sektion im Verlauf dieser Massenmobilisierungen feststellt, dass sie gemeinsam mit der MNR Einfluss auf die revolution\u00e4ren Massen besitzt, wird sie die Forderung nach einer gemeinsamen Arbeiter*innen- und Bauernregierung beider Par-teien vorantreiben.\u201c (\u201eResolution \u00fcber Lateinamerika\u201c, August 1951, Les Congr\u00e8s de la 4e Internationale, Bd. 4, S. 291)<\/p><\/blockquote>\n<p>1952 schickt die POR Guillermo Lora nach Paris, um mit der internationalen F\u00fchrung (dem pablistischen SIQI) zusammenzuarbeiten.<br \/>\nSeit der Revision des Programms von 1951 verwischt die sogenannte trotzkistische Bewegung (Pablist*innen, Morenist*innen, Grantist*innen, Cliffist*innen, Lambertist*innen, Healyist*innen, Lorist*innen \u2026) die Grenze zwischen Arbeiter*innenbewegung und Bourgeoisie der abh\u00e4ngigen L\u00e4nder, macht aus der Strategie der per-manenten Revolution einen objektiven Prozess, der keiner Partei bolschewistischen Typs bedarf, verwandelt revolution\u00e4re Aktivist*innen in den abh\u00e4ngigen L\u00e4ndern in blo\u00dfe Druckgruppen gegen\u00fcber dem b\u00fcrgerlichen Nationalismus (einschlie\u00dflich des Islamismus) und \u00fcberall gegen\u00fcber den Gewerkschaftsb\u00fcrokratien. Sie n\u00e4hrt alle m\u00f6glichen Illusionen in Wahlen und verfassunggebende Versammlungen, Volksfronten mit b\u00fcrgerlichen Parteien, \u201esozialistischen\u201c Gener\u00e4len und Obersten und sogar religi\u00f6sen Fanatiker*innen. Ihr Programm ist sorg-f\u00e4ltig um die Punkte Selbstverteidigung, Arbeitermiliz und Aufstand gek\u00fcrzt, die den Ruhm der bolivianischen Arbeiter*innenbewegung in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts ausmachten.<br \/>\n<strong>W\u00e4hrend der Revolution von 1952 spricht sich die POR f\u00fcr eine MNR-COB-Regierung aus<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerung mehrheitlich aus B\u00e4uer*innen und Arbeiter*innen indigener Herkunft besteht, wird die politische Macht von den Parteien oder Gener\u00e4len der \u201eRosca\u201c, der Bourgeoisie der \u201eZinnbarone\u201c, und den Gro\u00dfgrundbesitzer*innen kolonial-europ\u00e4ischer Herkunft ausge\u00fcbt. Frauen und Analphabet*innen d\u00fcrfen nicht w\u00e4hlen.<br \/>\nAm 9. April 1952 versucht ein mit der MNR verbundener Teil der Armee einen Staatsstreich gegen die Pro-Yankee-Regierung, die die arbeitenden Massen unterdr\u00fcckt. Die Bergarbeiter*innen und arbeitenden B\u00e4u-er*innen springen in die Bresche und bilden unter F\u00fchrung der POR bewaffnete Milizen, die die regul\u00e4re Ar-mee hinwegfegen.<br \/>\nMit dem Beginn der bolivianischen Revolution wird am 17. April 1952 die COB gegr\u00fcndet, ma\u00dfgeblich dank der POR. Doch diese ruft zu einer MNR-Regierung auf, also zur Regierung einer b\u00fcrgerlichen Partei. In den Ge-werkschaften unterscheidet sich die POR nicht von der von Juan Lech\u00edn gef\u00fchrten Fraktion der b\u00fcrgerlichen Partei.<br \/>\nDa Organe vom Typ von Sowjets (R\u00e4ten) fehlen, die die Macht beanspruchen, \u00fcbernimmt Paz Estenssoro (MNR) mit Unterst\u00fctzung der POR die F\u00fchrung des kapitalistischen Staates.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eTrotz der Illegalit\u00e4t wurde ein Aufruf an alle Massenparteien, unter anderem an die MNR, gerichtet, eine ge-meinsame Front des Kampfes gegen den Imperialismus zu organisieren \u2026 Unter diesen Umst\u00e4nden verteidigt die POR die Regierung mit allen Kr\u00e4ften durch die Mobilisierung der Massen.\u201c (Guillermo Lora, \u201eInterview\u201c, La V\u00e9rit\u00e9 Nr. 294, 17. April 1952)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Bonaparte ger\u00e4t einerseits zwischen den Druck der mobilisierten b\u00e4uerlichen und Arbeiter*innenmassen und andererseits die Forderungen des US-Imperialismus und eines Fl\u00fcgels der lokalen Bourgeoisie, der aus Gro\u00dfgrundbesitzer*innen und vom ausl\u00e4ndischen Kapital abh\u00e4ngigen Sektoren besteht. Dieser Fl\u00fcgel findet seinen Ausdruck in Parteien, die der MNR feindlich gegen\u00fcberstehen, wie der Falange Socialista Boliviana (Pha-lange, FSB), und in der Mehrheit des Generalstabs der Armee. Die US-Botschaft und die Geheimdienste der Ver-einigten Staaten kn\u00fcpfen enge Verbindungen zu ihnen.<br \/>\nDie MNR-Regierung ihrerseits entwaffnet die Arbeitermilizen und reorganisiert die b\u00fcrgerliche Armee (aus ihr werden unter anderem die Arbeiter*innen massakrierenden Gener\u00e4le Barrientos und Banzer hervorgehen). Sie versucht, die Gewerkschaftsbewegung unter Berufung auf eine \u201eMNR-COB-Regierung\u201c in den b\u00fcrgerlichen Staat zu integrieren. Im Juli 1952 f\u00fchrt sie das allgemeine Wahlrecht ein. Im Oktober 1952 verstaatlicht sie die wichtigsten Bergbauunternehmen. Die Sitze in der Comibol, dem neuen staatlichen Unternehmen, die h\u00e4ufig in Dollar bezahlt werden, werden zu einem der wichtigsten Mittel zur Korrumpierung des Gewerkschaftsapparats der FSTMB und der COB.<br \/>\nIm August 1953 beschlie\u00dft Paz Estenssoro eine begrenzte Agrarreform, um auf dem Land eine Klasse von Klein-besitzer*innen zu schaffen und damit die Arbeiter*innenklasse zu isolieren.<br \/>\nDie Massen unterscheiden nicht zwischen MNR und POR. Diese unterst\u00fctzt Lech\u00edn und fordert, dass mehr \u201eAr-beiter*innen\u201c-Minister seiner Art in der b\u00fcrgerlichen Regierung vertreten sein sollen, und erweckt den Ein-druck, sie k\u00f6nne zu einer Arbeiter*innen- und Bauernregierung werden. Moreno treibt die Forderung so weit, dass er verlangt, die MNR-F\u00fchrung der COB solle regieren.<\/p>\n<blockquote><p>Nahuel Moreno hat stets behauptet, er habe \u201ealle Macht der COB\u201c gefordert, im Gegensatz zur Politik der POR, die sich dem linken Fl\u00fcgel des MNR anpasste. Doch Morenos Slogan war nur eine Variante der volksfrontlerischen Re-solutionen des 3. Kongresses und der Position einer \u201eRegierung des linken MNR\u201c. Im Mai pr\u00e4sentierte seine Zei-tung die \u201eForderung, dass von FSTB und COB gew\u00e4hlte und kontrollierte Arbeiter*innenminister in die Regierung von Paz Estenssoro aufgenommen werden\u201c. (Jos\u00e9 Villa, La R\u00e9volution de 1952, Poder Obrero de Bolivie, Herbst 1992)<\/p><\/blockquote>\n<p>1953 spaltet sich die Vierte Internationale in zwei Teile (das pro-stalinistische SIQI und das \u201eorthodoxe\u201c CIQI), ohne dass irgendeine Fraktion die Einheitsfront mit der nationalen Bourgeoisie (AIEF) infrage stellt. In Argenti-nien setzt die GOR von Nahuel Moreno, die auf dem Kongress von 1951 f\u00fcr alle opportunistischen Resolutionen gestimmt hatte, die antiimperialistische Einheitsfront um, indem sie sich der b\u00fcrgerlich-nationalistischen Bewe-gung des Obersten Per\u00f3n (PJ) anschlie\u00dft. 1954 spaltet sich die POR selbst:<br \/>\n* eine liquidatorische Fraktion unter F\u00fchrung von M\u00f6ller und Lora, deren Mehrheit unter M\u00f6ller sich der MNR anschlie\u00dft. Lora folgt ihnen nicht und baut eine v\u00f6llig von ihm abh\u00e4ngige POR-Masas auf, die versucht, sich in-ternational zun\u00e4chst an das CIQI und nach 1971 gemeinsam mit der PO Argentiniens an das lambertistische CORQI anzulehnen, bevor sie ihre eigene internationale Gruppierung aufbaut (CERCI\/CLRCI, reduziert auf einige wenige Gruppierungen in Lateinamerika). Lora stirbt 2009.<br \/>\n* eine Fraktion unter Gonzales bleibt dem SIQI und sp\u00e4ter dem pro-kastristischen Vereinigten Sekretariat (VS) treu. Die POR-Combate \u00fcbernimmt wie das VS die Strategie des l\u00e4ndlichen Guerillakampfes, was dazu f\u00fchrt, dass die meisten ihrer Mitglieder direkt zur castristischen ELN \u00fcbertreten. Die POR-Combate verschwindet voll-st\u00e4ndig, als Gonzales sich Morales anschlie\u00dft. Gonzales stirbt 2010.<br \/>\n* Keine der beiden POR der 1960er- und 1970er-Jahre bricht mit der AIEF und den verbrecherischen Illusio-nen in die nationale Bourgeoisie.<br \/>\n<strong>1971 richtet sich die POR-Masas gemeinsam mit den Stalinist*innen auf eine Milit\u00e4rjunta aus<\/strong><br \/>\n1955 verabschiedet Paz Estenssoro einen \u201ewirtschaftspolitischen Plan\u201c, der das Land f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kapita-list*innen \u00f6ffnet. Aufgrund der damaligen Verfassung kann er bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen im Juni 1956 nicht kandidieren. Er wird durch den fr\u00fcheren Vizepr\u00e4sidenten Siles Zuazo ersetzt (84 % der Stimmen). Ange-sichts von Inflation und Rezession verhandelt die Regierung Siles mit dem IWF und setzt einen Sparplan durch (Plan zur W\u00e4hrungsstabilisierung), der die L\u00f6hne einfriert und Subventionen f\u00fcr lebensnotwendige G\u00fcter streicht. Die MNR beginnt die Unterst\u00fctzung der Volksmassen zu verlieren, die sie 1952 mit Hilfe von PIR, PCB und POR zu t\u00e4uschen vermocht hatte.<br \/>\n1960 wird Paz Estenssoro mit 76 % der Stimmen zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt und Lech\u00edn (MNR) zum Vizepr\u00e4si-denten. 1964 schlie\u00dft Paz Lech\u00edn aus. Lech\u00edn gr\u00fcndet eine neue b\u00fcrgerlich-nationalistische Partei, die PRIN. Paz wird mit General Ren\u00e9 Barrientos als Vizepr\u00e4sident wiedergew\u00e4hlt. Die MNR-Regierung unterdr\u00fcckt gewaltsam den dreit\u00e4gigen Streik, zu dem Lech\u00edn und die COB-F\u00fchrung aufgerufen haben. Die Gener\u00e4le Barrientos, Ovan-do und Banzer st\u00fcrzen den gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten mit Unterst\u00fctzung der CIA. Lech\u00edn billigt den Milit\u00e4rputsch.<br \/>\nDie Junta verk\u00fcndet einen \u201ePakt zwischen Milit\u00e4rs und B\u00e4uer*innen\u201c, indem sie indigene Kaziken korrumpiert. Sie errichtet die erste Zinnh\u00fctte im Land (das Erz wurde bis dahin im Ausland verh\u00fcttet). Der ehemalige MNR-Mann Barrientos, der Quechua spricht, wird 1966 mit mehr als 66 % der Stimmen gew\u00e4hlt, mit Unterst\u00fctzung von PIR und PRA, einer Abspaltung des MNR. Barrientos schickt Lech\u00edn ins Exil, unterdr\u00fcckt die Arbeiter*innen im Juni 1967 blutig (Massaker von San Juan) und ermordet zahlreiche Aktivist*innen der PCB und der POR. Mit Hilfe der US-Regierung Johnsons (Demokratische Partei) f\u00e4ngt und ermordet der Armeechef Ovando im Oktober Che Guevara, dessen Guerilla (die von der POR-Combate unterst\u00fctzte ELN) bei den B\u00e4uer*innen keine Unter-st\u00fctzung gefunden hat.<br \/>\nPr\u00e4sident Barrientos stirbt im April 1969 bei einem Unfall. Im September st\u00fcrzt General Ovando die legale Re-gierung und setzt die Repression gegen die Arbeiter*innen aus. Er k\u00fcndigt die Verstaatlichung des US-amerikanischen Erd\u00f6lkonzerns Gulf Oil (heute Chevron) gegen Entsch\u00e4digung an. Die PRIN-F\u00fchrung der COB kommt aus dem Untergrund und ruft \u201eOffiziere, Priester, Freiberufler*innen, B\u00e4uer*innen und Arbeiter*innen\u201c dazu auf, eine \u201eantiimperialistische Einheitsfront\u201c zu bilden. Im Januar 1970 erkl\u00e4rt Generalstabschef Juan Jos\u00e9 Torres, da weder die Bourgeoisie noch das Proletariat stark genug seien, falle der Armee die Aufgabe zu, das Land gegen den Imperialismus zu verteidigen. In der Bergarbeiter*innenf\u00f6deration bildet die POR-Masas einen Block mit der stalinistischen Partei PCB. Die POR-Combate ruft die Bergarbeiter*innen dazu auf, sich wie 1952 zu bewaffnen. Im April l\u00e4sst die B\u00fcrokratie der COB auf ihrem 4. Kongress mit gemeinsamer Unterst\u00fctzung von PCB und POR-Masas die \u201eRevolution in Etappen\u201c des weltweiten Stalinismus beschlie\u00dfen (zun\u00e4chst eine Volks- und antiimperialistische Revolution, sp\u00e4ter, sehr viel sp\u00e4ter, eine sozialistische Revolution). Im September 1970 schl\u00e4gt die Armee den zweiten Guerillaversuch der ELN nieder.<br \/>\nIm Oktober 1970 st\u00fcrzt General Miranda, unterst\u00fctzt von der Phalange (FSB), Ovando. Die COB ruft zum Gene-ralstreik gegen den Putsch auf. PCB, PCB (ML), PS und die POR-Masas von Lora rufen gemeinsam mit PRIN und einer Fraktion des MNR zu einer \u201eantiimperialistischen Volksregierung\u201c auf und bilden untereinander eine Volksfront, das Comando Politico CP (Politisches Kommando). General Torres vertreibt Miranda. Er freut sich dar\u00fcber, die \u201eEinheit der Streitkr\u00e4fte\u201c (sic!) bewahrt zu haben. Er ernennt General Reque, der die Operationen gegen die Guerilla geleitet hatte, zum Generalstabschef und bel\u00e4sst Banzer, der von der US-Armee ausgebildet wurde, an der Spitze der Milit\u00e4rakademie. Die Volksfront CP unterst\u00fctzt die Junta. Die POR-Combate prangert die Illusionen in die b\u00fcrgerliche Armee an \u2026 und stellt ihnen die Guerilla entgegen. Im Januar 1971 versucht General Banzer, Torres zu st\u00fcrzen. Bergarbeiter*innen bewaffnen sich. Banzer wird freigelassen, und Torres weigert sich, den Arbeiter*innen und Student*innen, die sich ihnen anschlie\u00dfen, Waffen zu geben. Er fordert sie auf, der Armee zu vertrauen.<br \/>\nDie b\u00fcrgerlich-nationalistische F\u00fchrung der COB, die PRIN, beruft eine nicht gew\u00e4hlte \u201eAsamblea Popular\u201c (Volksversammlung) ein. Eine Organisation arbeitender B\u00e4uer*innen (Bloque Independiente Campesino) wird kooptiert. Die POR-Masas verwandelt die Volksversammlung in eine \u201eantiimperialistische Front mit sowjeti-schen Merkmalen\u201c (das hei\u00dft, identisch mit den Arbeiter*innen-, Soldaten- und Bauernr\u00e4ten der Russischen Revolution), in ein \u201eMachtorgan der Massen und der Arbeiter*innenklasse\u201c, das \u201edie T\u00e4tigkeit der Regierung \u00fcberwacht\u201c. Doch wenn die Volksversammlung ein sowjetisches Organ w\u00e4re, w\u00fcrde sie von den k\u00e4mpfenden Massen gew\u00e4hlt und m\u00fcsste eine b\u00fcrgerliche Regierung nicht \u201e\u00fcberwachen\u201c, sondern ersetzen. Nach Ansicht des F\u00fchrers der POR-Masas w\u00e4re es \u201eWahnsinn\u201c, eine Arbeiter*innenregierung zu fordern. Seine Sekte wendet sich gegen die Teilnahme der POR-Combate an der Volksversammlung, obwohl ein Sowjet ein Arbei-ter*innenparlament ist, ein Ort der demokratischen Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen von den k\u00e4mpfenden Massen anerkannten Parteien.<br \/>\nTats\u00e4chlich dient die Volksversammlung aufgrund der Unf\u00e4higkeit und Dummheit der reformistischen F\u00fch-rer*innen und der b\u00fcrgerlichen demokratischen Schw\u00e4tzer*innen dazu, die Massen abzulenken, die ohne Waf-fen und ohne Organe der Selbstorganisation bleiben. Sie tritt am 21. Juni 1971 und anschlie\u00dfend am 2. Juli mit Erlaubnis der Junta unter dem Vorsitz von Lech\u00edn in den R\u00e4umlichkeiten des Parlaments zusammen, ohne je-mals zu handeln oder gew\u00e4hlt zu werden. Diskutiert wird vor allem \u00fcber die Verst\u00e4rkung der Pr\u00e4senz der Ar-beiter*innen in der Comibol \u2013 eine reformistische Illusion, die Lora teilt. Die letzte Entscheidung der Volksver-sammlung besteht darin, ihre Beratungen f\u00fcr zwei Monate bis zum 7. September auszusetzen.<br \/>\nGeneral Banzer wartet nicht. Im August 1971 greift mit Unterst\u00fctzung der US-Regierung Nixon (Republikani-sche Partei), der FSB und der MNR (weiterhin gef\u00fchrt vom ehemaligen Pr\u00e4sidenten von 1952, Paz Estenssoro) sowie einem Teil der Armee die Regierung und vor allem die Hochburgen der Arbeiter*innen an. Lech\u00edn erkl\u00e4rt den Massen, der Putsch werde sich nicht ausweiten, da die Armee Torres treu bleiben werde. Bergarbei-ter*innen und Student*innen verlangen Waffen, doch Torres verweigert sie ihnen. Die Aktivist*innen beider POR (Masas und Combate) f\u00fchren mutig den Gegenangriff, doch das reicht nicht aus. Bis zuletzt setzt die POR-Masas ihre Hoffnungen auf einen General der b\u00fcrgerlichen Armee, einen Bonaparte.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIm Oktober 1970 dachten alle \u2013 einschlie\u00dflich wir Marxist*innen \u2013, dass die Waffen von der damals regierenden milit\u00e4rischen F\u00fchrung ausgegeben w\u00fcrden.\u201c (Guillermo Lora, \u201eDie Konterrevolution vom August 1971\u201c, La Corres-pondance internationale, M\u00e4rz 1972, S. 5)<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fchrer*innen, die Vertrauen in Gener\u00e4le der b\u00fcrgerlichen Armee haben, sind keine Marxist*innen. Statt ihre Fehler angesichts der Ereignisse von 1952 und 1971 zu korrigieren, f\u00fchren Lora und Gonzales die POR-Masas und die POR-Combate in eine neue Volksfront, die Revolution\u00e4re antiimperialistische Front (FRA), gemeinsam mit ELN, PCB, PS, aber auch General Torres, PRIN und MIR.<br \/>\nDer konterrevolution\u00e4re Terror dauert in Bolivien bis 1982. Auf dem gesamten Subkontinent arbeiten die Ge-heimdienste Boliviens, Chiles, Argentiniens, Brasiliens, Paraguays und Uruguays gemeinsam mit der CIA der Vereinigten Staaten daran, Arbeiter*innenaktivist*innen zu ermorden (\u201eOperation Condor\u201c).<br \/>\n<strong>2005\u20132019 beweist die MAS erneut die Ohnmacht der nationalen Bourgeoisie<\/strong><br \/>\nLateinamerika erlebt von 2003 bis 2012 eine durch die chinesische Nachfrage getriebene wirtschaftliche Ent-wicklung. Davon profitieren die PJ Argentiniens (Erbe der PT-PJ des Obersten Per\u00f3n) und die PSUV Venezuelas (gegr\u00fcndet vom Obersten Ch\u00e1vez), die zeitweise den sozialen Frieden sichern. In Bolivien wird 2005 Evo Mora-les, der erste indigene Pr\u00e4sident, an der Spitze der MAS (einer b\u00fcrgerlich-nationalistischen Partei b\u00e4uerlichen Ursprungs) gew\u00e4hlt. Die Gaseinnahmen erm\u00f6glichen eine Umverteilung der Einkommen, ohne das Privateigen-tum wirklich anzutasten. Die Einnahmen aus den Exporten nach Brasilien, Argentinien, Indien und China f\u00fcl-len die \u00f6ffentlichen Kassen, w\u00e4hrend der Aufschwung von Handel und informeller Wirtschaft die St\u00e4dte umge-staltet.<br \/>\nDer Bonaparte versucht, die soziale Basis des b\u00fcrgerlichen Staates zu verbreitern, indem er den traditionellen Anbau von Koka legalisiert, Zugest\u00e4ndnisse an indigene Kulte und Stammesf\u00fchrer*innen macht und kleine Bergbauunternehmen zul\u00e4sst, die als \u201eKooperativen\u201c pr\u00e4sentiert werden, von jeder Gewerkschaft befreit sind und von \u00f6kologischen Auflagen entbunden werden. 2008 verspricht Morales, Lithium (20 % der weltweiten Reserven) national auszubeuten. Das staatliche Unternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB) scheitert jedoch.<br \/>\nW\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise von 2009 schw\u00e4chen der R\u00fcckgang der Rohstoffpreise und der weltweiten Nachfrage, der daraus folgende Einbruch der Steuereinnahmen und die Verknappung der Devisen den b\u00fcrger-lichen Nationalismus in mehreren lateinamerikanischen Staaten, darunter Bolivien. Im Mai 2013 unterdr\u00fcckt die Regierung Morales-Garc\u00eda Linera die nach einem Aufruf der COB streikenden Lohnarbeiter*innen. Die MAS organisiert eine Gegendemonstration \u201ezur Verteidigung der Demokratie\u201c, wobei sie sich auf von ihm kontrollier-te B\u00e4uer*innenorganisationen und Nachbarschaftsvereinigungen st\u00fctzt.<br \/>\n2019 wird Morales abgesetzt, die aus dem Putsch hervorgegangene Regierung unterdr\u00fcckt die Massen und die MAS zerbricht. (Siehe unsere Erkl\u00e4rung: https:\/\/www.revolucionpermanente.com\/espanol\/2020\/01\/02\/en-nombre-de-la-biblia-golpe-de-estado-proimperialista-en-bolivia\/)<br \/>\nLuis Arce (MAS), 2020 gew\u00e4hlt, schlie\u00dft 2024 mehrere Vertr\u00e4ge mit der chinesischen Gruppe Hong Kong CBC \u00fcber zwei Anlagen zur Herstellung von Lithiumkarbonat sowie mit dem russischen Unternehmen Uranium One Group, einer Tochtergesellschaft von Rosatom, \u00fcber eine dritte Anlage. Die Parlamentswahlen von 2025 been-den die Hinwendung zum chinesischen Imperialismus und f\u00fchren Bolivien wieder in die US-amerikanische Einflusssph\u00e4re.<br \/>\n<strong>Die LOR im Schlepptau des Bonapartismus<\/strong><br \/>\nOhne aus den Lehren der Volksversammlung von 1971 gelernt zu haben, fordert die mit der argentinischen PTS verbundene LOR vom bolivianischen Bonaparte eine verfassunggebende Versammlung. Um radikal zu wirken, f\u00fcgen die Morenist*innen das Adjektiv \u201erevolution\u00e4r\u201c hinzu \u2013 ein Adjektiv, das das Programm der Vierten Inter-nationale 1938 f\u00fcr das von Gro\u00dfbritannien kolonialisierte Indien oder das von den imperialistischen Gro\u00df-m\u00e4chten zerschlagene und beherrschte China nicht ben\u00f6tigte.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eGas verstaatlichen, durch eine revolution\u00e4re verfassunggebende Versammlung. Die COB, CSUTCB, FEJUVE und COR von El Alto, die FSTMB und andere k\u00e4mpfende Organisationen sollen zu einer einzigen Sache aufrufen: zur Volksversammlung, jetzt!\u201c (LOR, lorci.org, Juni 2005)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die morenistische List \u00e4ndert nichts: Eine Nationalversammlung oder verfassunggebende Versammlung, unab-h\u00e4ngig von ihrer Bezeichnung, besitzt in L\u00e4ndern, in denen Wahlen und Mehrparteiensystem bestehen, keiner-lei progressive Bedeutung. Sie ist eine Schlinge um den Hals des Proletariats, wie Tunesien, Chile und Bolivien zu Beginn des 21. Jahrhunderts beweisen.<br \/>\nMorales beruft eine verfassunggebende Versammlung ein, die 2006\u20132007 einen Verfassungsentwurf ausarbei-tet, der 2009 einem Referendum vorgelegt wird. Die LOR unterst\u00fctzt die b\u00fcrgerliche Ablenkung und die Flick-schusterei am b\u00fcrgerlichen Staat.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eViele Arbeiter*innen in Stadt und Land vertrauen dem MAS. Deshalb sind wir bereit, gemeinsam die politischen Rechte und die legitimen demokratischen Bestrebungen der Arbeiter*innen zu verteidigen \u2013 etwa die Forderung nach einer freien und souver\u00e4nen verfassunggebenden Versammlung \u2013, gegen jeden Versuch, sie weiter einzu-schr\u00e4nken oder zu umgehen.\u201c (LOR, estrategiainternacional.org, 5. Oktober 2005)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die loristische Sekte (POR) kritisiert ihren morenistischen Konkurrenten (LOR) chauvinistisch als aus dem Aus-land stammend und unterst\u00fctzt die Bewegung der Polizist*innen gegen die populistische Regierung, als hande-le es sich dabei um die Arbeiter*innenklasse.<\/p>\n<blockquote><p>\u201ePolizist*innen, wartet nicht bis zum Ende der einmonatigen Frist. Beginnt jetzt!\u201c (Masas Nr. 2310, 17. Mai 2013)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die T\u00e4uschung durch die allgemeinen Wahlen von 2025<\/strong><br \/>\nIm August 2025 erreichen die Kandidat*innen der drei wichtigsten proimperialistischen b\u00fcrgerlichen Parteien (PDC, Libre, Unidad) im ersten Wahlgang der Pr\u00e4sidentschaftswahlen zusammen 78 % der abgegebenen Stim-men.<br \/>\nIm Wahlkampf gegen\u00fcber Jorge Quiroga (vom Block Alianza Libre, dem auch die MNR angeh\u00f6rt) sparen PDC und Paz nicht mit der \u00fcblichen Demagogie b\u00fcrgerlicher Wahlk\u00e4mpfer*innen. Paz gewinnt W\u00e4hler*innen, die von Morales und der diskreditierten und gespaltenen MAS entt\u00e4uscht sind. Die PDC, eine weniger strukturierte Partei als ihre Rivalen, verspricht, dem Drogenhandel und der Korruption ein Ende zu setzen, die sozialen Er-rungenschaften zu erhalten und einen \u201eKapitalismus f\u00fcr alle\u201c zu schaffen. Kandidat f\u00fcr das Amt des Vizepr\u00e4si-denten ist Hauptmann Edmand Lara, der durch seine Enth\u00fcllungen \u00fcber die Korruption in der Polizei popul\u00e4r geworden ist.<br \/>\nIm Oktober 2025 wird das Duo im zweiten Wahlgang gew\u00e4hlt, nachdem der Kandidat einer anderen b\u00fcrgerli-chen Partei, Unidad, der im ersten Wahlgang den dritten Platz erreicht hatte, zugunsten von Paz zur\u00fccktritt.<br \/>\nKaum an der Macht, beruhigt Paz die herrschende Klasse. Auf dem Unternehmerforum \u201eBolivien f\u00fcr die Welt, die Welt f\u00fcr Bolivien\u201c garantiert er, dass er den Extraktivismus fortsetzen wird (Export von Lithium und Gas) und dass der Staat Vorschriften und Sozialausgaben abbauen wird. Da er keine absolute Mehrheit im Parlament besitzt, st\u00fctzt er sich auf einen Block aus PDC und Unidad. Vizepr\u00e4sident Lara widersetzt sich dem.<br \/>\nMit Erlaubnis von Paz kehren die US-amerikanische DEA und CIA in die Heimatregion von Morales, den Chapare, zur\u00fcck, aus der sie 2008\u20132009 vertrieben worden waren. Die Abschaffung der Treibstoffsubventionen durch das Dekret 5503 vom 17. Dezember 2025 f\u00fchrt zu einem Anstieg des Benzinpreises um 86 % und des Dieselpreises um 160 %. Bergarbeiter*innen, Lehrer*innen, Besch\u00e4ftigte im Transportwesen, Besch\u00e4ftigte des \u00f6ffentlichen Sektors, B\u00e4uer*innen und indigene Bev\u00f6lkerungsgruppen beteiligen sich an Demonstrationen, Streiks und Stra\u00dfenblockaden \u2026<br \/>\nDoch die Arbeiter*innenklasse \u00fcbernimmt nicht die F\u00fchrung der halb ausgebeuteten Klassen wie 1952 und 1971. Sie ruft keinen Generalstreik aus, bringt keine Sowjets auf nationaler Ebene hervor und bewaffnet sich kaum.<br \/>\n<strong>Die B\u00fcrokrat*innen verhandeln mit der Regierung, die die Massen vertreiben wollen<\/strong><br \/>\nDer von der COB-F\u00fchrung auf der \u201eoffenen Versammlung\u201c am 1. Mai angek\u00fcndigte Generalstreik wird nie um-gesetzt. Im am folgenden Tag ver\u00f6ffentlichten 16-Punkte-Text der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie ist davon keine Rede mehr.<br \/>\nDa sie weder durch eine revolution\u00e4re Partei noch durch Selbstorganisation behindert werden, die auf einige Stadtviertel von El Alto beschr\u00e4nkt bleibt, k\u00f6nnen die F\u00fchrer*innen der COB am 4. Mai einen auf einen einzigen Tag begrenzten Aktionstag ausrufen. Die Gewerkschaftsb\u00fcrokratien (COB \u2026), die b\u00e4uerlichen Organisationen (CSUTCB \u2026) und ein gro\u00dfer Teil der Nachbarschaftskomitees (FEJUVE) zerstreuen die Kampfbereitschaft durch getrennte Demonstrationen, Stra\u00dfenblockaden ohne organisierte Selbstverteidigung und 24-Stunden-Streiks, die zu unterschiedlichen Terminen ausgerufen werden: die Besch\u00e4ftigten des Stra\u00dfenverkehrs und der \u00f6ffentli-chen Krankenh\u00e4user am 6. Mai, die Grundschullehrer*innen am 11. Mai, die Bergarbeiter*innen staatlicher Unternehmen am 11. Mai, diejenigen privater Unternehmen am 14. Mai \u2026 Einige Streiks werden verl\u00e4ngert, bleiben aber zersplittert, und die Basis kann keinen Generalstreik bis zur Durchsetzung ihrer Forderungen er-zwingen.<br \/>\nStra\u00dfenblockaden sind eine typische Kampfform des Kleinb\u00fcrgertums. Selbstst\u00e4ndige k\u00f6nnen die Arbeit nicht kollektiv gegen einen Unternehmer einstellen, da sie gleichzeitig Unternehmer*in und Arbeitskraft sind (h\u00e4ufig gemeinsam mit Familienangeh\u00f6rigen). Die Regierung versucht, die Verknappung auszunutzen, unter der vor allem die indigene Bev\u00f6lkerung entlegener Gebiete und die Einwohner*innen von El Alto leiden. Unterst\u00fctzt von den gro\u00dfen Medien versucht sie au\u00dferdem, den Aufstand zu diskreditieren, indem sie ihn mit Morales und dem Drogenhandel in Verbindung bringt. Das gelingt ihr teilweise: Bergarbeiter*innen der Zinngrube Huanuni, die in technische Arbeitslosigkeit versetzt wurden, verlangen am 18. Mai von der COB, zur Aufhebung der Blo-ckaden aufzurufen.<br \/>\nAm 10. Mai unterzeichnet die COB einen volksfrontlerischen Pakt mit der indigenistischen Bewegung Ponchos Rojos und dem Senator Condori von der b\u00fcrgerlichen Partei Unidad. Von einem Generalstreik ist selbstverst\u00e4nd-lich keine Rede, vielmehr wird erkl\u00e4rt, dass die COB nichts unterschreiben werde, solange Paz Pr\u00e4sident ist. Ein Fl\u00fcgel der B\u00fcrokratie (die Gewerkschaftsapparate von Santa Cruz, Cochabamba, Tarija \u2026) h\u00e4lt das f\u00fcr eine zu weitgehende Forderung.<br \/>\nDie Regierung PDC-Unidad verliert keine Zeit<br \/>\n* Am 5. Mai schlie\u00dft die Regierung einen Pakt mit den Transportkapitalisten von La Paz (wo es nur wenig \u00f6ffent-lichen Verkehr gibt) und Santa Cruz.<br \/>\n* Am 6. Mai erkl\u00e4rt sich die Regierung bereit, den Treibstoffpreis f\u00fcr Taxis zu senken.<br \/>\n* Am 6. Mai schlie\u00dft die nationale F\u00fchrung der wichtigsten Bauernorganisation, der CSUTCB, nach dem \u201eindi-genen Marsch\u201c vom 4. Mai ein Abkommen mit dem Pr\u00e4sidenten, der sich verpflichtet, den Wortlaut des Gesetzes 1720 zu \u00fcberpr\u00fcfen.<br \/>\n*Am 14. Mai werden der Polizei zus\u00e4tzliche Verg\u00fcnstigungen gew\u00e4hrt, um ihren Eifer bei der Repression gegen die k\u00e4mpfenden Massen sicherzustellen. An diesem Tag zerstreut sie die Arbeiter*innendemonstration auf der Plaza Murillo in La Paz. Von da an sind es die indigene Bauernschaft und die Besch\u00e4ftigten des informellen Sek-tors von El Alto (der riesigen armen Vorstadt oberhalb der Hauptstadt), die sich weiterhin massenhaft gegen die Regierung Paz stellen. Am 15. Mai schlie\u00dft der Apparat der Nationalen F\u00f6deration der Bergbaukooperativen (Fencomin), die kleine Unternehmen zusammenfasst, die von Steuern befreit sind, die Gewerkschaftsbildung verbieten und die Umwelt verschmutzen, ein Abkommen mit dem Wirtschaftsminister. Die Beitragsr\u00fcckst\u00e4nde der Goldabbaukooperativen gegen\u00fcber der Sozialversicherung (CNS) in H\u00f6he von 95 Millionen Bolivianos (et-wa 7 Millionen Euro bzw. 8 Millionen US-Dollar) werden erlassen. Die Fencomin stellt ihre Demonstrationen ein.<br \/>\n\u201eWas wir anstreben, ist, dass das Land wieder arbeitet.\u201c (Gabriel Espinoza, Wirtschaftsminister, 15. Mai)<br \/>\n* Am 16. Mai schlie\u00dft die F\u00fchrung der COB von El Alto einen Kompromiss mit der Regierung und schlie\u00dft sich der nationalen Bewegung nicht an.<br \/>\n* Am 16. Mai unterzeichnet die F\u00fchrung der CTEUB, der Bildungsf\u00f6deration der COB, mit dem Bildungsminis-ter ein Abkommen \u00fcber eine j\u00e4hrliche Pr\u00e4mie von 2.400 Bolivianos (208 US-Dollar, 180 Euro).<br \/>\n* Am 12. Juni unterzeichnet die F\u00fchrung der CGTFB, die die Gewerkschaften der verarbeitenden Industrie in-nerhalb der COB zusammenfasst, ein Abkommen mit Paz.<br \/>\n* Am 17. Juni unterzeichnen die F\u00fchrer*innen der wichtigsten Gewerkschaft der COB, derjenigen des staatli-chen Zinnbergwerks Huanuni, ein Abkommen \u00fcber eine Pr\u00e4mie von 5.000 Bolivianos (434 US-Dollar, 370 Eu-ro). Der Pr\u00e4sident verpflichtet sich, dieses Unternehmen nicht zu privatisieren, und der Vertreter der Bergarbei-ter*innen rechtfertigt dies folgenderma\u00dfen:<br \/>\n\u201eJetzt mehr denn je m\u00fcssen wir f\u00fcr die Befriedung des Landes arbeiten, die Koordinierung zwischen den ver-schiedenen Sektoren st\u00e4rken und auf die Versorgungsbed\u00fcrfnisse reagieren, denen sich die Bev\u00f6lkerung ge-gen\u00fcbersieht.\u201c (Omar Choque, 18. Juni)<br \/>\n* Am 18. Juni unterzeichnen die Mitglieder der Gewerkschaft der Bergarbeiter*innen von Colquiri ein \u00e4hnliches Abkommen.<br \/>\n* Am 19. Juni unterzeichnet die nationale F\u00fchrung der COB mit dem Pr\u00e4sidenten.<br \/>\n* Am 19. Juni besteht noch die H\u00e4lfte der urspr\u00fcnglich rund hundert Stra\u00dfenblockaden. Am 20. Juni verh\u00e4ngt die Regierung eilig den Ausnahmezustand. Am 23. Juni zerstreuen Armee und Polizei die letzten Blockaden. Am 5. Juli wird Vicente Salazar, F\u00fchrer der Bauernorganisation Tupac Katari, verhaftet.<br \/>\nDer fr\u00fchere Pr\u00e4sident Morales (MAS), den Paz beschuldigt, die Unruhen angezettelt zu haben, erkl\u00e4rt, er habe niemals Stra\u00dfenblockaden gewollt, und fordert Neuwahlen innerhalb von 90 Tagen.<br \/>\nDie B\u00fcrokratie wird f\u00fcr ihre M\u00e4\u00dfigung schlecht belohnt. Am 13. Juli schafft das Oberste Dekret 5654 den auto-matischen Abzug der Gewerkschaftsbeitr\u00e4ge vom Lohn ab, der durch das Gesetzesdekret 07204 von 1965 zur Finanzierung des Gewerkschaftsapparats eingef\u00fchrt worden war.<br \/>\n53 Tage lang haben die Arbeiter*innenklasse, die Arbeiter*innen und die armen B\u00e4uer*innen den b\u00fcrgerlichen Staat herausgefordert, ohne \u00fcber eine revolution\u00e4re Partei zu verf\u00fcgen. Doch wie haben die Organisationen gehandelt, die sich auf Marx, Engels, Lenin und Trotzki berufen?<br \/>\n<strong>POR, LOR und MST kapitulieren vor den Gewerkschaftsb\u00fcrokratien<\/strong><br \/>\nDerzeit beziehen sich drei Organisationen auf die ehemalige Vierte Internationale (1933\u20131951): die Partido Obrero Revolucionario-Masas (loristische POR), die Liga Obrera Revolucionaria (morenistische LOR), die mit der argentinischen PTS verbunden ist, und das Movimiento Socialista de los Trabajadores (morenistische MST), die mit der argentinischen MST verbunden ist. Sie haben jedoch keinerlei Absicht, sich zu einer demokratischen Partei auf der Grundlage ihres Programms zu vereinigen. Im Gegenteil: Sie streiten umso erbitterter miteinander, als sie dieselbe Revision des Programms, denselben Opportunismus gegen\u00fcber dem b\u00fcrgerlichen Nationalis-mus, dieselbe Anpassung an die Gewerkschaftsb\u00fcrokratien und denselben pazifistischen Kretinismus teilen.<br \/>\nDie LOR hat als \u201eProgramm\u201c einen als \u201eAntikapitalismus\u201c und \u201eAddition der K\u00e4mpfe\u201c getarnten Reformismus, der den Kampf gegen die Gewerkschaftsb\u00fcrokratien, die b\u00fcrgerlich-nationalistischen F\u00fchrungen und die re-formistischen Parteien \u201evergisst\u201c, der die Bewaffnung der Arbeiter*innen, den Aufstand und die Diktatur des Proletariats \u201evergisst\u201c.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMan muss sich auf die Perspektive gro\u00dfer sozialer Ersch\u00fctterungen vorbereiten, die durch die weltweite kapita-listische Krise gen\u00e4hrt werden, indem man die bewussten Kr\u00e4fte des antikapitalistischen Kampfes organisiert \u2026 indem man alle sozialen Bewegungen der Unterdr\u00fcckten, der Volksbewegungen, der \u00d6kolog*innen und Femi-nist*innen zur Einheit aufruft, damit sie sich um eine gemeinsame Sache scharen, um gemeinsam mit der Arbei-ter*innenklasse in allen L\u00e4ndern diesem verfallenden System ein Ende zu setzen.\u201c (Palabra Obrera, Juni 2013)<\/p><\/blockquote>\n<p>Im Juni 2026 verr\u00e4t die F\u00fchrung der COB nach Meinung der PTS, die die LOR anleitet, nicht \u2013 sie z\u00f6gert ledig-lich.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie F\u00fchrung der COB scheint zu z\u00f6gern, die notwendigen Mittel zur Organisierung des Generalstreiks einzusetzen, und verfolgt eine Strategie der Abnutzung.\u201c (Mat\u00edas Maiello &amp; Josefina Mart\u00ednez, \u201eDie strategischen Lehren aus der bolivianischen Rebellion und die organische Krise in Lateinamerika\u201c, 9. Juni)<\/p><\/blockquote>\n<p>Doch \u201eAktionstage\u201c auszurufen und mit der Regierung Paz zu verhandeln, hat nichts mit einer \u201eStrategie der Abnutzung\u201c der Regierung zu tun. Es handelt sich um weltweit bekannte Man\u00f6ver, um die Kampfbereitschaft der Arbeiter*innen zu zerm\u00fcrben, den Generalstreik zu sabotieren und jedes Risiko einer L\u00e4hmung des nationa-len Kapitalismus, jedes Risiko einer sozialen Revolution, abzuwenden.<br \/>\nBei solchen Lehrer*innen ist es nicht verwunderlich, dass die LOR sich auf die Gewerkschaftsf\u00fchrung verl\u00e4sst.<br \/>\n\u201eDie F\u00fchrung der COB muss endlich den am 1. Mai vergangenen Jahres beschlossenen Generalstreik umsetzen und ihre Rolle als F\u00fchrung und Koordinatorin des Kampfes wahrnehmen, der sie sich bisher st\u00e4ndig entzieht.\u201c (LOR, re-volutionpermanente.fr, 12. Juni)<br \/>\nDie POR hat weiterhin die \u201erevolution\u00e4re antiimperialistische Front\u201c von 1971, die \u201eEinheitsfront der unter-dr\u00fcckten Nation zur Befreiung des Landes vom Imperialismus\u201c (Masas Nr. 2885, 10. Juni, S. 8), zum Programm. Heute dient die POR als \u201eradikale\u201c Kr\u00fccke der COB-F\u00fchrung. Ihre Zeitung erw\u00e4hnt die offene Versammlung der COB vom 1. Mai, die den Generalstreik forderte, nicht. Die POR ist weitgehend in den Gewerkschaftsapparat im Bildungswesen integriert und unterst\u00fctzt den Aktionstag, der sich dem Generalstreik gegen die Regierung ent-gegenstellt.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDer Vorsitzende der st\u00e4dtischen Lehrer*innen von La Paz, Jos\u00e9 Luis \u00c1lvarez, best\u00e4tigte, dass der 24-Stunden-Streik f\u00fcr diesen Montag, den 11. Mai, auf nationaler Ebene feststeht.\u201c (unitel.bo, 10. Mai)<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur Rechtfertigung beruft sich die POR weiterhin auf folgende Argumentation. Nach Ansicht der POR ist nicht die korrupte B\u00fcrokratie f\u00fcr die Niederlage verantwortlich, sondern die Massen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie F\u00fchrung der COB, die sich der Bauernbewegung angeschlossen hat, hat nicht die Macht, zu entscheiden, den Konflikt an den Verhandlungstisch zu bringen, wie es mehrere COD fordern, ganz einfach, weil die Bauernbewegung in diesem Kampf den Ton angibt.\u201c (Masas Nr. 2886, 17. Juni, S. 8)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das MST behauptet, die b\u00fcrokratisierte und verr\u00e4terische Konf\u00f6deration sei ein Sowjet, ein Organ der Doppel-macht.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie COB ist nicht mehr nur eine einfache Gewerkschaft, sondern wird zu einem Organ der Doppelmacht \u2026 Es ist die Pflicht ihrer derzeitigen F\u00fchrer*innen, die Doppelmacht zum Sieg zu f\u00fchren. Das bedeutet die Regierung der COB und der k\u00e4mpfenden b\u00e4uerlichen und Volksorganisationen. Die konkrete Allianz, die sich an der Spitze der COB ge-bildet hat, muss regieren.\u201c (MST Bolivien, 20. Mai)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Opportunist*innen unterschlagen die Frage der Selbstverteidigung und der Bewaffnung, die Bildung von Volkskomitees an der Basis, die regional und national durch gew\u00e4hlte und jederzeit abw\u00e4hlbare Delegierte ko-ordiniert und zentralisiert werden.<\/p>\n<blockquote><p>\n\u201eSolange der Kapitalismus existiert, ist die gewaltsame Unterdr\u00fcckung der Arbeiter*innenbewegung eine latente Gefahr \u2026 Um die faschistischen Banden und Streikbrecher zur\u00fcckzuschlagen, schmieden wir ordnungsgem\u00e4\u00df be-waffnete Arbeiter*innenstreikposten \u2026 Das Entscheidende ist, den Arbeiter*innen der Basis beizubringen, dass sie sich gegen die bis an die Z\u00e4hne bewaffnete Bourgeoisie bewaffnen m\u00fcssen.\u201c (Thesen von Pulacayo, November 1946, Masas, 1980, S. 25)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Bewaffnung der k\u00e4mpfenden Massen und die Schaffung von Sowjets sind die einzigen Mittel, um die F\u00fch-rung der COB zu \u00fcber-fl\u00fcgeln und Paz zu ersetzen \u2013 nicht durch einen anderen Vertreter der Bourgeoisie, son-dern durch eine Arbeiter*innen- und Bauernregierung.<br \/>\nEine einheitliche und demokratische Partei zur Umsetzung der Thesen von Pulacayo und zur Bewaffnung der Arbeiter*innen!<br \/>\nMehrfach st\u00fctzte sich eine bolivianische Avantgarde auf die lokalen und internationalen Erfahrungen der Arbei-ter*innenklasse, um den Aufbau einer Partei bolschewistischen Typs zu versuchen: die POR 1949, die Leninisti-sche Fraktion der POR 1954 \u2026 Diese Kerne degenerierten oder verschwanden \u2013 Opfer der erbarmungslosen Repression und des Verschwindens jedes gemeinsamen internationalen kommunistischen Zentrums<br \/>\nDagegen hat in der heutigen Arbeiter*innenbewegung keine Organisation die Lehren aus der Revision des Pro-gramms durch die F\u00fchrung der Vierten Internationale 1951 und aus der Unf\u00e4higkeit der POR, sich 1952 von der nationalen Bourgeoisie abzugrenzen, gezogen. Keine Organisation hat die Lehren aus der Degeneration der aus der POR hervorgegangenen Organisationen gezogen, obwohl diese vor dem verrotteten Apparat der COB kapituliert und sich einer Volksfront angeschlossen haben.<br \/>\nStatt daraus die Lehren zu ziehen, wiederholen die Gruppen, die sich heute auf den Trotzkismus berufen, ihre katastrophalen Illusionen in die korrupten B\u00fcrokratien der COB und der Bauernorganisationen.<br \/>\nSchlimmer noch: Der wachsende Einfluss des Quasi-Reformismus der argentinischen morenistischen Str\u00f6mung f\u00fchrt dazu, dass der revolution\u00e4re Aspekt der Politik, den die POR 1952 noch bewahrte, ausgel\u00f6scht wird: die Selbstverteidigung der Massen, die Arbeiter*innen- und Bauernmiliz, der Arbeiter*innen- und Bauernaufstand.<br \/>\nDas bolivianische Proletariat verdient mehr als die Vervielfachung konkurrierender Sekten ohne innere Demo-kratie, die allesamt gleicherma\u00dfen opportunistisch sind. Um den Kapitalismus zu st\u00fcrzen, braucht es eine einzi-ge bolschewistische, demokratische und internationalistische Partei, die auf dem Programm der Kommunisti-schen Internationale und demjenigen der Vierten Internationale basiert. Um Verrat zu verhindern und die mit den Ausbeuter*innen verbundenen korrupten B\u00fcrokrat*innen zu vertreiben, braucht es eine einzige klassen-k\u00e4mpferische Gewerkschaftstendenz in der COB und ihren Gewerkschaften, den Nachbarschaftskomitees, den Organisationen der arbeitenden B\u00e4uer*innen, der Arbeiterinnen, Student*innen \u2026<br \/>\nSo werden die Thesen von Pulacayo von 1946 triumphieren:<br \/>\n<strong>* Raus mit der US-Armee, der CIA und der DEA! Annullierung der Schulden beim IWF und beim ausl\u00e4ndi-schen Bankkapital!<\/strong><br \/>\n<strong>* Bruch der Arbeiter*innen-, Bauern-, indigenen und Student*innenorganisationen mit der kapitalisti-schen Regierung und der gesamten angeblich demokratischen oder antiimperialistischen Bourgeoisie!<\/strong><br \/>\n<strong>* Demokratie in den Gewerkschaften, Bauern-, Student*innen-, Frauen- und indigenen Organisationen! Unabh\u00e4ngigkeit vom b\u00fcrgerlichen Staat, unabh\u00e4ngig davon, welche Regierung vor\u00fcbergehend an seiner Spitze steht! Bezahlung der hauptamtlichen Funktion\u00e4r*innen auf dem durchschnittlichen Lohnniveau der Arbeiter*innen ihres Sektors!<\/strong><br \/>\n<strong>* Offene Versammlungen in Fabriken, Bergwerken, im Transportwesen, in Stadtteilen, Gymnasien, Univer-sit\u00e4ten und b\u00e4uerlichen Gemeinschaften! Wahl jederzeit abw\u00e4hlbarer Delegierter in lokale Sowjets und in einen nationalen Sowjet!<\/strong><br \/>\n<strong>* Arbeiter*innenkontrolle \u00fcber Handel, Banken, Transportunternehmen, Bergwerke und die gesamte Industrie! Verstaatlichung der Latifundien und Gro\u00dfunternehmen ohne Entsch\u00e4digung oder R\u00fcckkauf!<\/strong><br \/>\n<strong>* Organisierung von Soldatenkomitees durch die Arbeiter*innenbewegung zur Verbr\u00fcderung mit den k\u00e4mpfenden Massen! Aufl\u00f6sung der Repressionskr\u00e4fte! Arbeiter*innen- und Bauernmilizen! Bewaffneter Aufstand!<\/strong><br \/>\n<strong>* Arbeiter*innen- und Bauernregierung! Sozialistische F\u00f6deration Lateinamerikas!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19. 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