{"id":62,"date":"2012-08-23T12:00:36","date_gmt":"2012-08-23T12:00:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.revolucionpermanente.com\/deutsch\/?p=62"},"modified":"2017-05-04T12:05:25","modified_gmt":"2017-05-04T10:05:25","slug":"massaker-an-arbeitern-durch-die-volksfrontregierung-in-sudafrika-fur-den-sieg-der-minenarbeiter-von-marikana-generalstreik-arbeiterselbstverteidigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.revolucionpermanente.com\/deutsch\/2012\/08\/23\/massaker-an-arbeitern-durch-die-volksfrontregierung-in-sudafrika-fur-den-sieg-der-minenarbeiter-von-marikana-generalstreik-arbeiterselbstverteidigung\/","title":{"rendered":"Massaker an Arbeitern durch die Volksfrontregierung in S\u00fcdafrika!"},"content":{"rendered":"<h3><center>F\u00fcr den Sieg der Minenarbeiter von Marikana!<br \/>\nGeneralstreik! Arbeiterselbstverteidigung!<\/center><\/h3>\n<p>Am 16. Oktober ver\u00fcbte die Polizei der Regierung der Dreierallianz aus ANC (Afrikanischer Nationalkongress), SACP (S\u00fcdafrikanische Kommunistische Partei) und COSATU (Verband der s\u00fcdafrikanischen Gewerkschaften) unter Pr\u00e4sident Zuma ein Massaker an Arbeitern der Platinmine von Marikana, die seit dem 10. August f\u00fcr eine Lohnerh\u00f6hung streikten. Ohne Vorwarnung wurden 34 Arbeiter ermordet und mindestens 78 verletzt.<\/p>\n<p>S\u00fcdafrika ist der weltgr\u00f6\u00dfte Platinlieferant. Die Marikana-Mine geh\u00f6rt dem an der Londoner B\u00f6rse notierten Lonmin-Konzern, dem drittgr\u00f6\u00dften Platinproduzenten der Welt. Im ganzen Land sind die L\u00f6hne der Bergarbeiter so niedrig und die Arbeitsbedingungen so j\u00e4mmerlich wie zu Zeiten der Apartheid. Die Mehrheit der Marikana-Bergleute lebt in Slums. Sie arbeiten bei 40\u00b0 f\u00fcr einen Lohn von 4.000 \u2013 5.000 ZAR (s\u00fcdafrikanische Rand \/ etwa 400 \u2013 500 EUR) acht bis neun Stunden unter Tag. Nun forderten sie h\u00f6her L\u00f6hne.<\/p>\n<p>Der Streik wurde anf\u00e4nglich von der Gewerkschaft AMCU (Association of Mineworkers and Construction Union \/ Vereinigung der Bergarbeiter- und Bauarbeitergewerkschaft) unterst\u00fctzt. Am 15. August jedoch begaben sich AMCU-Generalsekret\u00e4r Joseph Mathunjwa und der Generalsekret\u00e4r der NUM (National Union of Miners \/ Nationale Bergarbeitergewerkschaft), Senzeni Zokwana,  gemeinsam vor Ort, um eine Wiederaufnahme der Arbeit durchzusetzen. Die Streikvollversammlung wies Zokwana hinaus und beschloss die Fortsetzung des Streiks.<\/p>\n<p>Die NUM, die der COSATU angeh\u00f6rt, war die traditionelle Bergarbeitergewerkschaft, geriet aber zusehends wegen ihrer offenen Zusammenarbeit mit den Unternehmern unter Konkurrenzdruck durch die AMCU. Es sei erw\u00e4hnt dass der ehemalige NUM-Vorsitzende Cyril Ramaphosa heute Aktion\u00e4r von Lonmin, also ein direkter Ausbeuter der Minenarbeiter von Marikana, ist. Sein Schwiegersohn ist Justizminister. Die COSATU ist Teil der \u201eDreierallianz\u201c, welche die Massenorganisationen der ArbeiterInnen (die COSATU und die \u201ekommunistische\u201c SACP) dem b\u00fcrgerlich-nationalistischen ANC unterwirft.<\/p>\n<p>Die SACP, die in der Regierung vertreten ist, hat die polizeiliche Unterdr\u00fcckung vorbereitet:<\/p>\n<p><em>\u201eEs kann nicht sein,dass heutzutage Menschen zur Gewalt greifen, um Minenarbeiter zu zwingen, einer bestimmten Gewerkschaft anzugeh\u00f6ren \u2026 Die SACP ruft die Polizei auf, schnell zu handeln und diese Hooligans zur Rechenschaft zu ziehen, die Vernunft und Dialog durch Kugeln ersetzt haben\u201c. <\/em>(SACP, Erkl\u00e4rung zu den Gewaltakten bei Lonmin, 14. August 2012).<\/p>\n<p>Am Tag nach dem Massaker, am 17. August, k\u00fcndigte Pr\u00e4sident Zuma die Einsetzung einer  \u201eUntersuchungskommission\u201c an, einem typischen Ablenkungsman\u00f6ver jeder b\u00fcrgerlichen Regierung. Riah Phiyega, Chefin der nationalen Polizei, erkl\u00e4rte am gleichen Tag, dass die Polizisten nur ihre Pflicht erf\u00fcllt  und den Tod der Arbeiter \u201enicht zu bereuen\u201c h\u00e4tten. Am 20. August begann der Prozess wegen Mordes gegen 250 am 16. August verhafteten Arbeiter, obwohl sich einige der Angeklagten noch in Spit\u00e4lern befinden.<\/p>\n<p>Drei Tage lang schwieg die SACP. Sie \u00e4u\u00dferte sich erst, um die mit der NUM rivalisierende Gewerkschaft anzugreifen und die Regierung und die Polizei zu unterst\u00fctzen:<\/p>\n<p><em>\u201eUnsere Genesungsw\u00fcnsche an alle verletzten Arbeiter und Polizisten. Das Zentralkomitee begr\u00fc\u00dft Pr\u00e4sident Zumas Ank\u00fcndigung einer Untersuchungskommission. Die pr\u00e4sidentielle Untersuchungskommission muss sich auch mit dem Ausma\u00df der Gewalt die von der Pseudo-Gewerkschaft AMCU ausgeht, auseinandersetzen.\u201c <\/em>(SACP. Zentralkomitee-Erkl\u00e4rung vom 19 August).<\/p>\n<p>Alle Gewerkschaftsb\u00fcrokratien und alle reformistischen Parteien sind Agenturen der Bourgeoisie innerhalb der ArbeiterInnenklasse. Die ArbeiterInnen d\u00fcrfen den \u201eKommunistInnen\u201c und ZentristInnen nicht glauben, dass trotz der Erfahrungen der spanischen Revolution 1934-37, der deutschen Revolution 1953, der ungarischen Revolution 1956 und der chilenischen Revolution 1970-73 die Parteien, die vom Stalinismus her kommen, fortschrittlicher w\u00e4ren als jene, die von der Sozialdemokratie oder den Labour-Parties kommen. Die Sozialdemokratie hat seit 1914, der Stalinismus seit 1933 verraten. Seither verteidigen die einen wie die anderen das \u201eVaterland\u201c, alle st\u00e4rken die Armee und die Polizei, und setzen sie auch gegen die ArbeiterInnen ein, wenn sie an der Macht sind. In Griechenland ist die KKE chauvinistisch, hat die Repression gegen die Jugend unterst\u00fctzt und die Reihen der ArbeiterInnen gespalten. In Frankreich war die KPF von 1997 bis 2002 an der Regierung, welche die meisten Privatisierungen in der Geschichte des Landes vorgenommen hat, beteiligt. In Italien haben die PRC und die die PCdI die Regierung Prodi unterst\u00fctzt, welche die Renten gek\u00fcrzt hat. In den USA ruft die KPUSA zum zweiten Mal zur Wahl Obamas auf. In Kuba hat die die Einheitspartei KP Kubas 500.000 ArbeiterInnen entlassen und geht daran, den Kapitalismus zu restaurieren. In China hat die Einheitspartei KP Chinas den Kapitalismus restauriert, unabh\u00e4ngige Gewerkschaften verboten, Streiks und nationale Minderheiten unterdr\u00fcckt. In Russland ist die KPRF chauvinistisch und ausl\u00e4nderfeindlich. In S\u00fcdafrika beteiligt sich die SACP an der vom ANC geleiteten Regierung, welche die 34 Bergleute ermordet hat. Und sie bleibt dort drinnen.<\/p>\n<p>Der ANC ist als b\u00fcrgerlich-nationalistische Bewegung entstanden, welche die W\u00fcnsche der schwarzen, indischen und \u201efarbigen\u201c Bourgeoisien nach einer Beteiligung an Macht und Kapital der wei\u00dfen Bourgeoisie artikulierte. 1950 wurde die stalinistische SACP Teil des ANC und bem\u00fchte sich, die Jugend und die ArbeiterInnen der b\u00fcrgerlichen F\u00fchrung dieser nationalistischen Partei zu unterwerfen.<\/p>\n<p>Gegen den ANC erhoben sich 1976 die Jugendlichen der schwarzen Vororte von Soweto, und bald vervielfachten sich die Streiks der schwarzen und farbigen ArbeiterInnen. Der ANC konnte mit Hilfe des stalinistischen Apparats der SACP und der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie der COSATU die Kontrolle \u00fcber die \u201enicht registrierten\u201c ArbeiterInnengewerkschaften \u00fcbernehmen, die aus den K\u00e4mpfen hervorgegangen waren, und sie ihrer Linie der \u201eanti-imperialistischen Einheitsfront\u201c und der \u201eRevolution in Etappen\u201c (erst das Ende der Apartheid, und dann, viel sp\u00e4ter, der Sozialismus) unterordnen.<\/p>\n<p>Aber die Klassenk\u00e4mpfe versch\u00e4rften sich und 1990 musste der amerikanische Imperialismus mit der russischen B\u00fcrokratie Verhandlungen \u00fcber einen Machtwechsel in S\u00fcdafrika beginnen. Die Regierung der rassistischen Nationalpartei, die sich einer revolution\u00e4ren Situation gegen\u00fcber sah, lie\u00df 1990 Mandela frei, akzeptierte die Legalisierung des ANC, der SACP und des PAC (Pan-Afrikanischer Kongress, eine andere nationalistische Bewegung) und stimmte 1991 der Beseitigung der Apartheid zu. Die Rassengleichheit und die demokratischen Freiheiten waren ein Nebenprodukt des Klassenkampfs und der Furcht seitens der lokalen und der Weltbourgeoisie vor einer proletarischen Revolution.<\/p>\n<p>Aber die schwarzen Massen und die ArbeiterInnenklasse wurden von Mandela und der Dreiparteien-Allianz mit Unterst\u00fctzung aller christlichen Kirchen um ihren Sieg gebracht, die den s\u00fcdafrikanischen Kapitalismus und den b\u00fcrgerlichen Staat, der die Ausbeutung garantiert,  aufrecht erhielten.<\/p>\n<p>Gewiss, die Fahnen haben gewechselt: Eine kleine Minderheit von Schwarzen, Mitglieder des ANC, der SACP und der COSATU, sind zu den Spitzen des Staates aufgestiegen oder Aktion\u00e4re und Chefs geworden. Aber die Ausbeutung, das Elend und die Unterdr\u00fcckung sind das Los der Mehrheit geblieben. Die Henker des rassistischen Regimes blieben ungestraft, die Agrarreform fand nicht statt; die Regierung von ANC-SACP hat \u00f6ffentliche Unternehmen privatisiert. Polizei und Armee haben weiterhin ImmigrantInnen (wohlgemerkt die schwarzen, nicht die wei\u00dfen!) verfolgt, Proteste in den Vorst\u00e4dten unterdr\u00fcckt und Streiks zerschlagen.<\/p>\n<p>Um damit aufzur\u00e4umen, bedarf es eines anderen Gewerkschaftsapparates als dem der korrupten COSATU-B\u00fcrokratie, einer klassenk\u00e4mpferischen F\u00fchrung. Es braucht eine andere Partei als die reformistische SACP, die sich an die s\u00fcdafrikanische Bourgeoisie verkauft hat, eine wirklich kommunistische, revolution\u00e4re und internationalistische Partei. Es braucht eine andere Wirtschaft als die auf dem Privateigentum, der Lohnarbeit und der Profitgier beruhenden, es bedarf der Kontrolle der Produzenten und Konsumenten \u00fcber Produktion und Verteilung. Der b\u00fcrgerliche Staat und sein Unterdr\u00fcckungsapparat m\u00fcssen zerschlagen und durch ArbeiterInnenr\u00e4te und die allgemeine Volksbewaffnung ersetzt werden. Wenn die ArbeiterInnen im ganzen Land die Polizeistationen umzingeln, k\u00f6nnen sie ein f\u00fcr allemal die Arbeiterm\u00f6rder entwaffnen. Das w\u00e4re der  Beginn der sozialistischen Revolution und der Befreiung des Kontinents.<\/p>\n<p><b>Freilassung aller inhaftierten Bergarbeiter, Einstellung aller juristischen Verfolgungen gegen die Arbeiter von Marikana!<br \/>\nInternationale Solidarit\u00e4t aller ArbeiterInnenorganisationen mit den Arbeitern von Marikana!<br \/>\nGeneralstreik und ArbeiterInnenmilizen im ganzen Land, um die Bergarbeiter zu unterst\u00fctzen und ihre Forderungen zu erf\u00fcllen!<br \/>\nEntsch\u00e4digungslose Enteignung von Lonmin!<br \/>\nAllgemeine Bewaffnung der Bev\u00f6lkerung und Entwaffnung der S\u00f6ldner der Polizeikr\u00e4fte!<br \/>\nArbeiterInnen- und B\u00e4uerInnenregierung!<br \/>\nVereinigte Sozialistische Staaten von Afrika!<\/b><\/p>\n<p>23. August 2012<\/p>\n<p><center>Kollektiv Permanente Revolution (CoReP) \/ \u00d6sterreich, Frankreich, Peru<br \/>\nComit\u00e9 Communiste Internationaliste (trotskyste) \/ Frankreich<\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Sieg der Minenarbeiter von Marikana! Generalstreik! Arbeiterselbstverteidigung! Am 16. 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